Kurzportrait: Preußens erste Königin – Sophie Charlotte

1668 als hannoversche Prinzessin Sophie Charlotte von Braunschweig-Lüneburg geboren, prägte die spätere preußische Königin nicht nur meinen Kiez. Denn die Welfenprinzessin Sophie Charlotte war eine absolut bemerkenswerte Persönlichkeit, die ich euch heute vorstellen möchte.

Sophie-Charlotte entstammt einem der ältesten Fürstenhäuser Europas. Neben einem guten Stammbaum hat sie aber noch viel mehr zu bieten. Denn Sophie Charlotte war überraschend gut gebildet, dazu sehr wissbegierig und vielseitig interessiert. Dank der energischen Erziehung ihrer Mutter beherrschte sie mehrere Sprachen und war sowohl den schönen Künsten als auch den Wissenschaften zugetan. Sie entwickelte sich zu einer charakterstarken Frau mit wachen Geist und spitzer Zunge. Sieht man ihr Portrait zum ersten Mal, so fällt einem auf, dass sie zur Fülle neigt.

SophieCharlotte_StichvonHeinzelmann1689

Sophie Charlotte als Kurfürstin, Stich von Heinzelmann, 1689

Doch hatte sie das Glück im Barock zu leben. So entsprach sie dem idealen Frauenbild und galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit.

Schön, intelligent und aus gutem Hause – eine fantastische Mischung. Zeitweise war sogar im Gespräch, dass Sophie Charlotte den französische Dauphin heiraten sollte. Stattdessen gelangt sie jedoch durch die Heirat mit dem brandenburgischen Kurprinzen Friedrich von Hohenzollern 1684 in das unbedeutendere Berlin. Bereits ein Jahr später kommt ihr Sohn Friedrich August zur Welt, der jedoch keine vier Monate lebt. Sophie Charlotte ist gerade einmal 16 Jahre alt.

1688 ist ein sehr ereignisreiches Jahr für die junge Kurprinzessin. Zum einen bringt sie den späteren Thronfolger Friedrich Wilhelm zur Welt, zum anderen steigt sie an der Seite ihres Mannes zur Kurfürstin auf.

Nun verbringt die junge Mutter die ersten Lebensjahre ihres Sprößlings in der elterlichen Obhut in Hannover. Der kleine Kurprinz wächst und gedeiht am hannoverschen Hof und zeigt im Gegensatz zu seinem Vater  eine erfreulich robuste Konstitution. So verzichtet Sophie Charlotte ab seinem siebten Lebensjahr auf ihre alleinige Mutterrolle. Nun legt sie richtig los und verwirklicht sich selbst.

Ab 1795 errichtet sie auf dem Gelände Lütze/Lietze ihre eigene Sommerresidenz nahe aber außerhalb der Stadt. Ihr Gemahl darf sie hier nur noch nach Anmeldung besuchen. Häufige Besuche bei ihrer Familie in Hannover verkürzen den winterlichen Aufenthalt am Berliner Hof.

Ihr Schloss, nach dem nahe gelegenen Dorf Lietze kurzerhand Schloss Lietzenburg genannt, lässt sie von Nering erbauen. Mit den prächtigen Barockgärten des heimatlichen Schloss Herrenhausen im Hinterkopf lässt sie in ihrer Residenz einen Barockgarten nach französischem Vorbild errichten.

Noch heute gilt der Schlossgarten Charlottenburg als die älteste französische Gartenanlage im Stile Le Nötres in Deutschland.

In die entlegene Einöde lockt sie Philosophen, Wissenschaftler, Künstler und Architekten, mit denen sie sich auf ihren ausgedehnten Spaziergängen durch den Park unterhalten kann. Ihr Schloss wird zum „Musenhof“: Leibniz, Schlüter, Eosander  – Namen, die uns noch heute bekannt sind – sei es durch ihre Werke oder durch ihnen zu Ehren benannte Straßen.

Neben dem gedanklichen Austausch sorgt Sophie Charlotte dafür, dass die geistige Elite auch weiterhin dem Hofe nahe bleibt. Als große Förderin nimmt sie maßgeblich Einfluss auf ihren Mann. So verdanken wir ihr beispielsweise die Gründung der Akademie der Künste (1696) und der königlich-preußischen Akademie der Wissenschaften (1700).

Ansonsten entwickelt sich ihr Schloss zu einem repräsentativen Haus der Lustbarkeiten. Sophie Charlotte unterhält ihren Hof und die zahlreichen Gäste mit Komödien, Konzerten und Opern – es wird getanzt und gelacht.

Durch die feierliche Krönung in Königsberg wird Sophie Charlotte 1701 zu Preußens erster Königin. Doch diese Würde kann sie nicht allzu lange genießen. Anfang 1705 bekommt sie eine Bronchitis, von der sie sich nicht mehr erholt. Ihr plötzlicher Tod am 1. Februar wird zum Politikum und das junge Preußen befindet sich in Staatstrauer.

Denn Preußens Königin hat wieder einmal an den Karnevalsfeierlichkeiten in Hannover teilgenommen, ist dort erkrankt und verstorben. Eine Rücküberführung nach Berlin ist notwendig. Diese muss jedoch auch standesgemäß erfolgen, schließlich soll einer europäischen Königin gedacht werden. So wird Sophie Charlotte erst einmal einbalsamiert und auf einem Paradebett ausgestellt, bis die Überführung und Trauerfeier geplant sind. In einem imposanten Trauerzug begibt sie sich am 9. März auf ihre letzte Reise nach Schloss Lietzenburg. Im Berliner Dom wird sie in einem von Schlüter und Jacobi gestalteten Sarkophag am 28. Juni 1705 beigesetzt.

Seiner verstorbenen Königin zu Ehren lässt Friedrich I. nicht nur das Schloss Lietzenburg in Schloss Charlottenburg umbenannt. Nein, auch die angrenzende Siedlung Lietzow und die um das Schloss entstandenen Gebäude werden in Charlottenburg umbenannt.

Sophie Charlotte heute

Noch heute kommt man in Charlottenburg nicht an Preußens erster Königin vorbei.Seit 1907 residiert sie mit ihrem Schloss unter dem Arm auf dem Charlottenburger Tor wenn man den Bezirk über den Tiergarten kommend betritt.

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Straße des 17. Juni, Charlottenburger Tor – Sophie-Charlotte und ihr Schloss – Bronze von Heinrich Bauke, 1905

Gleich zwei Straßen sind in Berlin nach ihr benannt. Zum einen wäre da die westliche Grenze des Klausenerkiezes, die „Sophie-Charlotten-Straße“. Hierbei ist die Betonung des „N“ besonders wichtig, sonst verschlägt es einen schnell nach Zehlendorf, wo es dann auch noch die „Sophie-Charlotte-Straße“ gibt.

Besucher, die mit der U-Bahn zum Schloss fahren, nehmen die U2 und steigen am Sophie-Charlotte-Platz aus. Dieser liegt genau am anderen Ende der Schloßstraße und man kann ganz gemütlich auf das Schloss zuflanieren.

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beleuchtetes Schild: U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz der Linie U2

Was die Vermittlung von Wissen angeht, so führt dies die Sophie-Charlotte-Oberschule in der Sybelstraße 2-4 weiter. Sie zählt inzwischen zu einem der ältesten Gymnasien Berlins.

Darüber hinaus findet man in Reichweite des Schloss Charlottenburg noch ein altes Schulgebäude in der nahegelegenen Schustehrusstraße 43, das ihren Namen trägt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und beherbergt die integrierte Sekundarschule namens „Schule am Schloss„.

 

Ausstellung: Sophie Charlotte und ihr Schloss

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten widmet Sophie Charlotte den ersten Teil ihrer vierteiligen Führungsreihe über die Frauen des Hauses Hohenzollern ab 26. März 2015.

Ausstellung2015_spsg_Hohenzollernfrauen_Teil1

Zusätzlich bietet die Stiftung vom 1. März bis zum 6. Dezember 2015 an verschiedenen Terminen speziell für Kinder eine Kurzführung mit Suchspiel um Sophie Charlotte und ihre Familie kennen zu lernen.

Bücherkiste

In den letzten 15 Jahren sind dank der historischen Genderforschung die preußischen Herrscherinnen zu einem beliebten Forschungsfeld geworden. Von satten Fakten bis zu unterhaltsamer Informationsvermittlung findet sich zu Sophie Charlotte so einiges.

Rolf Thomas Senn (2000): Sophie Charlotte von Preußen: Biographie.

Hans Bentzien (2001): Das ungleiche Königspaar.

Iselin Gundermann (2005): Sophie Charlotte: Preußens erste Königin.

Iselin Gundermann (2005): Sophie Charlottes letzte Reise. Tod und Bestattung der Königin von Preußen.

Walther Schwerdtfeger (2014): Sophie Charlotte oder Ein anderes Preußen.

Neben den Seiten 28-83 über Sophie-Charlotte kann ich als kurzweilige Lektüre das ganze Buch empfehlen:

Karin Feuerstein-Praßer (2008): Die preußischen Königinnen.

Zum Vorschaubild: hierbei handelt es sich um ein Archivbild der Edition Rieger vom Buchcover „Sophie Charlotte. Preußens erste Königin.“

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