Kieznachbar – der Witzlebenkiez

Die südliche Grenze des Klausenerkiezes verläuft am Kaiserdamm. Gegenüber lockt mit dem Lietzensee und dem gleichnamigen Park ein weiterer Kiez.  Der Lietzensee-Park ist das Zentrum des sogenannten Witzlebenkiezes, den ich euch heute als Nachbarkiez vorstellen möchte.

Lage

Begrenzt vom Kaiserdamm im Norden, der Stadtbahn im Süden, der Ringbahn im Westen und von der Suarez- oder Windscheidstraße im Osten spricht man von der „Ortslage Witzleben“.

Namensgebung

Als Namensgeber für den Kiez stand der preußische Kriegsminister Karl Ernst Job Wilhelm von Witzleben Pate. Denn dieser erwarb 1824 das Grundstück rund um den Lietzensee, welches er zu einem Park umgestalten ließ und zur Erbauung der umliegenden Bevölkerung öffentlich zugänglich machte. Heute wie damals ist das ihm zu Ehren ab 1840 als „Park Witzleben“ bekannte Areal beliebter Ausflugsort zum Spazierengehen, Sonnenbaden und Rodeln. Der Park heißt inzwischen Lietzensee-Park, und auch sonst rutscht der Name Witzleben immer weiter in die Vergessenheit. Deshalb ist es so charmant, dass dieser Kiez den Namen Witzleben am Leben erhält.

Möchte man den Witzlebenkiez besuchen, so erreicht man ihn am einfachsten über die Ringbahn. Wer am S-Bahnhof Messe Nord/ICC aussteigt und das Bahnhofsschild einer genaueren Betrachtung unterzieht findet einen kleinen Hinweis darauf, dass dieser Bahnhof früher einen anderen Namen trug. Bis zu seiner Umbenennung 2002 hieß er einfach „S Witzleben“. Für die bessere Orientierung von Besuchern des Messegeländes mag die Namensänderung zwar sinnvoll gewesen sein, für die Ortskunde hingegen war der Verlust des historisch gewachsenen Namens ein herber Rückschlag.  Die Fahrgäste wussten früher schon beim Aussteigen, dass sie in der Berliner Gegend „Witzleben“ angekommen waren.

Egal welchen Ausgang man wählt, in kürzester Zeit gelangt man vom S-Bahnhof zum nahegelegenen Lietzensee, dem Zentrum des Witzlebenkiezes.

Sehenswertes

Durch die zentrale Lage des Lietzensee-Parks steht der Kiez ganz im Zeichen der Natur. Der innerstädtische Park verfügt über einen 6,6 ha großen See auf welchem sich Enten und Schwäne wohl fühlen. Zudem bietet der Park einen Baumbestand mit großer Artenvielfalt. Darüber hinaus laden die im nördlichen Teil vorhandenen Fitnessgeräte und Sportplätze zu körperlicher Betätigung in und um den Park ein. Nicht nur schön anzusehen, sondern im Sommer auch erfrischend ist die in Nähe der Wundtstraße installierte kleine Kaskade.

Bei schönem Wetter lädt die Terrasse vom Bootshaus Stella – der etwas andere „Biergarten“ – mit seinem Blick zum Funkturm zum Verweilen ein.

Darüber hinaus hat der Kiez aber auch noch mehr als nur Natur zu bieten. Beim Schlendern trifft man zudem auf Kunst und Geschichte. So stehen im Park mehrere Skulpturen, ein Gefallenendenkmal und das denkmalgeschützte Parkhaus vom Lietzensee.

Verlässt man das Parkgelände im Norden am Kaiserdamm, so kommt man zum Witzlebenplatz. Hier befindet sich die Rückseite des ehemaligen Reichsmilitärgerichts/ Reichskriegsgerichts/ Kammergerichts, dessen Front man ein paar Schritte weiter in der Witzlebenstraße 4-10 erreicht. Folgt man dem Straßenverlauf in südlicher Richtung am Park entlang, so trifft man auf die katholische St- Canisius-Kirche, die 2003 den Architekturpreis erhielt.

Nur eine Parallelstraße weiter befindet sich die östlichen Grenze des Witzlebenkiezes. Die Suarezstraße ist Kontrastprogramm zum Parknaturell. Denn hier findet man eine wahre Antikmeile, die mit zahlreichen kleinen Antiquitätengeschäften zum Bummeln einlädt.

Trifft man von hier auf die Kantstraße, so kann man sich entscheiden, ob man am Amtsgerichtsplatz vorbei den ruhigeren Teil der Suarezstraße mit seinen bürgerlichen Wohnhäuser entlangschlendern möchte oder sich komplett dem Verkehrstrubel entzieht indem man über die Neue Kantstraße wieder den Park betritt.

Folgt man der Suarezstraße, so sollte man die Gelegenheit nutzen und dem Kuno-Fischer-Platz einen Besuch abstatten. Denn dieser bietet mit seinen zahlreichen Bänken mit Blick über den Lietzensee nicht nur einen Ort zum Verweilen. Bevor das Notaufnahmelager Marienfelde seine Arbeit aufnahm, fanden Flüchtlinge aus der DDR bis 1953 hier ihre erste Notaufnahmestelle.

Egal ob an der Suarezstraße entlang oder durch den Park. Letztendlich gelangt man zum Dernburgplatz. Hier ereignet sich im Sommer ein besonderes Schauspiel, wenn die große Kaskade bepflanzt und in Betrieb ist. Im Gegensatz zum nördlichen Teil mit seinen Spielplätzen präsentiert sich das Südgelände als Parkidyll, in welchem man bei Vogelgezwitscher die Zeit vergessen kann.

Vom Dernburgplatz aus gelangt man an der Bahntrasse entlang auf der Rönnestraße zur Windscheidstraße und weiter zum S-Bahnhof Charlottenburg am Stuttgarter Platz.

Verortungs-Problematik

Soweit zum klassischen Witzlebenkiez. Doch wie wir ja wissen ist der Begriff „Kiez“ nicht geografisch festgelegt und liegt daher im Auge des Betrachters. Sebastian Petrich hat sich bei seiner Vorstellung des Witzlebenkiezes gegen die östliche Begrenzung durch die Suarezstraße ausgesprochen. Auch die Windscheidstraße betrachtet er als eine veraltete Grenze zwischen einem schicken und dem schmuddeligen Kiezteil. Seiner Meinung nach beinhaltet der Witzlebenkiez zusätzlich noch die Kantstraße und den gesamten Stuttgarter Platz.

Doch wie weit reicht dann der Witzlebenkiez? Denn die Kantstraße verläuft ja bis zum Zoologischen Garten und bietet ein ganz eigenes Flair mit seinen vielen kleinen Geschäften und Restaurants. Besonders bekannt geworden ist die Kantstraße inzwischen bei Fans der asiatischen Küche. Zusätzlich wird die Kantstraße von Knotenpunkten mit ganz eigenem Charme gekreuzt. Während der Savignyplatz mit seinen Restaurants und Cocktailbars auch abends lockt, lädt die Wilmersdorfer Straße am Ostenende des Stuttgarter Platzes tagsüber zum Shoppen ein.

Allein der Stuttgarter Platz erstreckt sich über fünf anliegende Häuserblöcke und ist dabei so variantenreich, dass die Anwohner vom „Leonhardtkiez“ sich bereits vom eigentlichen „Stutti“ distanzieren. Zahlreiche Lokale, welche die besonders breiten Bürgersteige der Leonhardtstraße zu nutzen wissen, der immer geöffnete Supermarkt von „Charlottengrad“, die Keimzelle der Currywurst, Wohnort der Kommune 1, ehemaliges Rotlichtviertel, der S-Charlottenburg als Berliner Lebensader – das Areal um den Stuttgarter Platz kann sehr facettenreiche Geschichten erzählen.

Was meint ihr dazu? Wo sollte man die Grenze des Witzlebenkiezes setzen? Kann man die Kantstraße und den Stuttgarter Platz zum Witzlebenkiez hinzuzählen oder nicht? Vielleicht lebt ja der ein oder andere zwischen Bismarckstraße und Kurfürstendamm und hat für mich noch ganz andere Kieznamen in dieser Gegend…

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