Die Oase im Block 128

Seit 2008 wohne ich nun schon im Klausenerkiez. Doch erst durch meinen Neujahrsvorsatz habe ich ein Kleinod entdeckt, dass hier im Kiez jeder zu kennen scheint. Der sogenannte Block 128 ist ein Ort, an dem sich die umliegenden Bewohner zum Kiezsingen, zum Kiezfest und zum gemeinsamen Bepflanzen immer wieder treffen. Er ist das Herz des Klausenerkiez mit einer bewegenden Geschichte und einem ganz besonderen Flair. 

Sanierungsplan vs. Instandbesetzung

Der Klausenerkiez bestand weitestgehend aus Häusern, die in typisch wilhelminischer Blockweise des ausgehenden 19. Jahrhunderts entstanden. Das bedeutet maximaler Wohnraum auf minimalem Platz. Vorne meist in kleinere Einheiten unterteilte schöne Altbauwohnungen, hinten Mietskasernen, enge Hinterhöfe und Werkstätten. Zeitweise war der Klausenerkiez mit über 30.000 Bewohnern das bevölkerungsreichste Viertel Charlottenburgs.

Zwischenstand in den 60er Jahren: rund 50 Prozent der Berliner Wohnungen sind als sanierungsbedürftig einzustufen. Es musste ein Sanierungsplan erstellt werden.

Zumeinst sah dieser Plan den Totalabriss mit aufgelockerter Neubebauung vor. Widerspruch regte sich gegen den Kahlschlag. Die Städteplaner der 70er sahen als Alternative die sogenannte Entkernung an. Hierunter versteht man den Abriss der innenliegenden Gebäude, während die repräsentative Straßenfassade bestehen bleibt.

Gegen diese Pläne formierte sich die Mieterinitiative im Klausenerkiez. Sie befürchteten, dass durch die Entkernung  nicht nur ein großer Teil der Wohnungen verloren ginge, sondern dass die Sanierung  mit entsprechenden Mietsteigerungen verknüpft sein würde. Wohnraum war nach wie vor gefragt. Der drohende großflächige Verlust von erschwinglichem Wohnraum ließ Widerstand aufkommen. Der Kampf gegen Abriss und Mietsteigerungen mittels Hausbesetzungen und Demonstrationen wurde auch im Klausenerkiez aktiv betrieben.

Der Block 128

Die 2. Hinterhäuser der Danckelmannstr. 43-45  werden im Sommer 1981 besetzt. Der Senat plant  den Abriss zugunsten einer neuen Schule und eines großen Spielblockes. Doch in diesem Fall konnte das Engagement aus der Bevölkerung den Abriss der Gebäude nicht verhindern. Zum stummen Zeugen der Abrisskugel wird das im Sanierungsplan Charlottenburg Klausener Platz  als Block 128 benannte Areal.

Der im Sanierungsplan mit der Nummer 128 bezeichnete Block befindet sich zwischen Danckelmann-, Seeling- , Sophie-Charlotte- und Knobelsdorffstraße. Dieser wurde zwar Zeuge der Abrisskugel und damit entkernt, doch die brachliegende Fläche wird durch die Blockinitiative 128 übernommen. Als Projekt der behutsamen Stadterneuerung sollen nun zwei Neubauriegel und ein Kinderspielplatz entstehen. Die Blockinitiative 128 zeigt ihren Protest, indem sie die entstandene Freifläche in Mieterselbsthilfe gestaltet. So entstand eine versteckte Oase, die bis heute besteht und sich großer Beliebtheit erfreut.

„Es vollzog sich eine sozialökologische Stadtentwicklung, die im Wesentlichen durch  gemeinsame nachbarschaftliche Aktivitäten geprägt ist. Hier gestalten die Anwohner ihr Wohnumfeld aktiv mit.“ (Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf).

Der Ziegenhof

Denn heute ist das versteckt liegende Areal eine öffentliche Grünfläche mit ganz besonderem Flair. Geht man die Danckelmannstraße entlang, so kann man den unscheinbaren Eingang in der Danckelmannstraße 16 leicht übersehen. Bis vor kurzem wies nichts auf dieses innerstädtische Kleinod hin. Durch die umliegenden Häuser vom Straßenlärm geschützt befindet sich hier ein kleiner Park mit großem Kinderspielplatz. Das Schild am Eingang macht deutlich: Hunde sind hier verboten.

Denn auf der Freifläche befindet sich ein einmaliges innerstädtisches Gelände. Seit 1985 wohnen hier nämlich Ziegen! Gesellschaft leisten ihnen plüschige Hühner und auch Bienen wurden erfolgreich angesiedelt. Hinzu kommen Hochbeete, die von den Anwohnern ebenfalls liebevoll gehegt werden.

Inzwischen findet sich in Nähe des Zugangs in der Danckelmannstraße ein Stromkasten, welcher von Lisa e.V. und Chi Maulbetsch thematisch gestaltetet wurde.

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Stromkasten in der Nähe des Ziegenhofs in der Danckelmannstr. gestaltet von Lisa e.V. und Chi Maulbetsch

Dieses Jahr kann der Ziegenhof übrigens sein 33-jähriges Bestehen feiern und der Block 128 hat sich zum Herz des Klausenerkiezes entwickelt.

Webschmankerl und Bücherkiste

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