Das verschwundene Schloss im Ruhwaldpark

Westend ist ein Teil von Charlottenburg, welcher auf seiner recht großen Fläche viel zu bieten hat. Dabei ist dieser Stadtteil aber auch sehr facettenreich. Neben dem Messegelände und dem Olympiastadion bietet das Westend viel Grünfläche und wunderschöne Villen. Im Ruhwaldpark findet man beides… bzw. fand man beides. Denn das dort errichtete „Schloss Ruhwald“ kann man heute nur noch erahnen.

Der Ruhwaldpark befindet sich am Spandauer Damm und wurde auf dem sogenannten Spandauer Berg an der Spree errichtet. Der Park entführt in eine grüne Oase, die den  Straßenverkehr des Spandauer Damm und die umliegenden Mietwohnbauten schnell vergessen lässt. Nur ein paar Schritte in den Park hinein hört man plötzlich nur noch ein paar Spechte hämmern oder in den Abendstunden einen Kauz rufen.

Mit rund 30m Höhenlage bot der Spandauer Berg einen traumhaften Rundblick über die Spree. Deshalb erwarb Ludwig Schaefer-Voit 1866 das 5,8 ha große Areal. Schaefer-Volt brachte die erste deutsche illustrierte Damen-und Modezeitschrift namens „Bazar“ heraus. Hier ließ sich der mit seiner Zeitschrift reich gewordene Verleger eine Villa errichten und mit einem Park und einer kleinen Teichanlage umgeben.

DerBazar_BerlinerillustrirteDamen-Zeitung

Der Bazar. Berliner illustrirte Damen-Zeitung

 

Nicht nur Kleider machen Leute, sondern scheinbar auch repräsentative Bauten. Denn Schaefer-Voit war mit seinen wirtschaftlichen Aktivitäten so erfolgreich, dass er zum Commerzien- und Commissionsrath, später zum Geheimen Kommerzienrat ernannt und schließlich in den Adelsstand versetzt wurde. Somit wurde seine Villa zum Schloss Ruhwald.

Nur privat war Schaefer-Voit vom Pech verfolgt. Seine vier Söhne starben frühzeitig. Ein Nachbarschaftsstreit am Ruhwaldpark ließ ihn schon 6 Jahre nach dem Bau das Anwesen wieder verkaufen. Danach begann der soziale und bauliche Abstieg des Anwesens.

Eine Malzfabrik eröffnete ein Restaurant im Schloss, das jedoch nach Plünderungen geschlossen werden musste. Die Berliner kommentierten dies in ihrer typisch kaltschnäuzigen Art: „Nun ruhen alle Wälder, vor allem Ruhwald selber„.

Danach wurde 1887 eine Nervenheilanstalt  im Anwesen eingerichtet und die Parkanlage als Kurpark genutzt.

1924 wurde der Bezirk Charlottenburg neuer Eigentümer und ließ 1937 das Schloss und seine Nebengebäude abreißen. Nur die Remise und einige Wirtschaftsgebäude blieben erhalten. Das Wirtschaftsgebäude wurde als Casino genutzt.

Auchdas im Stil der italienischen Frührenaissance erbauten Kavalierhaus wurde 1952 abgerissen. Nur die Arkaden des Kavalierhauses mit einer breiten Freitreppe blieben stehen und erinnern heute an das „verschwundene Schloss Ruhwald“.

Doch auch an den Arkaden nagt der Zahn der Zeit. Die Arkaden sind inzwischen so baufällig, dass man sie nicht mehr betreten darf. Die Marmorbüsten von Ludwig und Margarethe Schaefer-Voit sind nicht mehr dort.

Seit 1987 steht der Park unter Denkmalschutz, da Schaefer-Voigt einen wertvollen alten Baumbestand amerikanischer Nadelhölzer begründet hat.  Der Ruhwaldpark ist heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Nur die noch bestehenden Gebäude werden von einer jüdischen Kita und einer therapeutische Wohngemeinschaft genutzt und sind daher für Besucher nur beschränkt besuchbar. Der tolle Rundumblick vom Spandauer Berg aus gehört nach mehr als 100 Jahren durch den hochstehenden Baumbestand, genau wie das Schloss, der Vergangenheit an.

Webschmankerl

 

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