Erwin Barth und der Charlottenburger Kinderspielplatz

Unter der Rubrik „Berühmte Nachbarn“ werde ich zukünftig Personen der Vergangenheit vorstellen, die im Kiez gelebt und gewirkt haben und zu einer gewissen Bekanntheit gelangt sind. Beginnen möchte ich mit dem Gartenbaudirektor Erwin Barth. Dieser lebte zwar nicht im Kiez, sondern in der Kaiser-Friedrich-Straße 90, doch bin ich seinem Namen bei meinen Streifzügen immer wieder begegnet.  Als Gartendirektor zuerst in Charlottenburg und später für Groß-Berlin gestaltete er viele der Parks, wie sie sich uns heute noch präsentieren. Dank dieser starken Präsenz möchte ich ihn als einen berühmten Nachbarn im Kiez vorstellen.

Leben und Wirken

Erwin Barth wurde 1880 in Lübeck geboren, wo er ab 1908 als Stadtgartendirektor tätig war. Als großer Befürworter der Volksgartenbewegung des Deutschen Reichs kam er 1912 nach Charlottenburg um als Stadtgartendirektor die Parkgestaltung Charlottenburgs zu leiten. Gleichzeitig lehrte er ab 1921 an der TH Charlottenburg, war dort ab 1926 Honorarprofessor und etablierte  erfolgreich den Garten- und Landschaftsbau als eigenen Studiengang. Ab 1925 war Barth nicht mehr nur in Charlottenburg tätig sondern wurde zum Stadtgartendirektor von Groß-Berlin. 1929 wurde er zum ersten deutschen Professor für Gartengestaltung ernannt und legte seine Arbeit als Planer zugunsten der Lehre nieder. Mit gerade einmal 53 Jahren erschoss sich Barth im Juli 1933. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem von ihm 1920 entworfenen Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf.

Foto: Grabstelle von Erwin Barth 2009, Fotograf: Axel Mauruszat, Quelle: Wikimedia Commons

Barth als Gartenbauarchitekt

Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche Plätze und Parks vor allem während seiner 12-jährigen Tätigkeit in Charlottenburg und ab 1925 in Berlin. Gerade in Charlottenburg findet sich daher in vielen Parks eine Gedenktafel zu seinen Ehren.

Denn Barth war sehr produktiv, so dass sich allein im Architekturmuseum der TU Berlin fast 900 Skizzen zu seinen Ideen für die Gartengestaltung Berlins finden.

In Westend war Barth an der (Um)Gestaltung der Parkanlagen am Brixplatz  und am Karolingerplatz beteiligt. Im Norden Charlottenburgs gestaltete er den Volkspark Jungfernheide und den Mierendorff-Platz.

Auch der Raußendorfplatz an der Preußenallee und der Savignyplatz an der Kantstraße entstammen seiner Feder. Ebenso wurde der Hochmeisterplatz in Wilmersdorf und der Boxhagener Platz in Friedrichshain nach seinen Entwürfen errichtet.

Seinen Vorstellungen entsprechend entstand das Parkgelände um den Lietzensee. Zudem wurden der Schustehrus-Park und der Klausenerplatz nach seinen Vorstellungen gestaltet. Dabei integrierte Barth auf dem Klausenerplatz erstmals einen Spielplatz für Kinder, wie es ihn noch heute gibt.

Seine persönliche Signatur bei der Gestaltung von Stadtteil- und Volksparks stellt die Kombination aus Repräsentation und Spiel dar. Während man in seinen Parks Ruhe und Raum findet, elegant auf den Wegen entlang flanieren oder auf zahlreichen Parkbänken verweilen kann, werden die Kinder nicht vergessen. Generell bezog er in seine Parkplanung immer auch die Kinder mit ein. Kinderspielflächen sind typisch für die Parkanlagen von Barth.

Entwicklung des Kinderspielplatzes

Durch die stürmische Industrialisierung um 1900 verschlechterten sich in den aufblühenden Städten die Lebensbedingungen drastisch. Enge Hinterhöfe, wenig Licht und wenig Grün waren die Aufwachsbedingungen der Kinder in der Großstadt. Dadurch verbreiteten sich Krankheiten wie Tuberkulose, Rachitis und Schwindsucht stark. Dem sagten die Gemeinden durch die Etablierung einer Sozialhygiene den Kampf an. Um die „Volksgesundheit“ zu heben wurden ab 1880  die ersten Spielplätze von städtischen Gemeinden angelegt. Dieses Konzept wurde bis in die 1920er Jahre hinein aktiv verfolgt.

Wie wichtig die Errichtung von Spielplätzen im gesundheitlichen Bewusstsein der Bevölkerung war, zeigt die Einreichung der Spielplatzgesetzes von 1920 durch den Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen im Parlament. Auch wenn es nicht verabschiedet wurde, so forderte man die Einhaltung von Richtwerten für Spielplätze bereits in der Stadtplanung.

„3 qm nutzbare Spielfläche und 0,1 qm Turnhallenfläche je Einwohner, sowie für je 30.000 Einwohner in städtischen Gemeinwesen ein ganzjährig benutzbares Schwimmbad.“ (Jahrbuch der Leibesübungen 1931:366).

Neu in den 1920er Jahren war, dass man sich bei der Parkgestaltung nach amerikanischem und englischem Vorbild richtete und daher Gelegenheiten zu Sport und Spiel einbezog. Die soziale Orientierung in der Planung von Gartenanlagen der 1920er Jahre wandelte das Aussehen der Parks, indem in die bis dahin reinen Schmuckanlagen staatlich geförderte Spiel- und Erholungsflächen integriert wurden.

Barth und der Kinderspielplatz

Diesem Prinzip verschrieb sich auch Barth und dank seiner Funktion als Gartenbaudirektor Groß-Berlins prägte er maßgeblich den Raum für Spielplätze in der Parklandschaft unserer Stadt.

Auch wenn unter einem Spielplatz damals oftmals nur eine Sandfläche zum Spielen verstanden wurde, so wurden sie von den umliegenden Kinderscharen positiv angenommen.

Bild: Spielplatzteil des Mierendorffplatz (damals Gustav-Adolf-Platzes) in Charlottenburg, um 1913, Quelle: Bezirksamt)

Karolingerplatz Spielareal nach Barth

Karolingerplatz Spielareal nach Barth 1912

Erwin-Barth-Platz

Gerade durch dieses fast zur Unterschrift gewordene Element in den Anlagen nach Barth bringt es mich immer wieder zum Schmunzeln, wenn sich am Wochenende Groß und Klein auf der Fläche am Kaiserdamm vor dem Lietzenseepark treffen um Tischtennis, Fuß- oder Basketball zu spielen oder Trampolin zu springen . Denn die frühere Durchfahrt von der Wundtstraße zum Witzlebenplatz wurde geschlossen und so ein Vorplatz gewonnen, welcher  anlässlich des 125. Geburtstages von Erwin Barth 2005 seinen Namen erhielt.

Erwin-Barth-Platz

Erwin-Barth-Platz am Kaiserdamm

Erwin-Barth-Preis

Seit diesem Jubiläum vergibt das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf übrigens auch für das ehrenamtliche Engagement in der Grünpflege den Erwin-Barth-Preis.

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