Die Bildgießerei Hermann Noack

Betritt man den Mierendorff-Kiez über die Caprivibrücke, so findet sich direkt an der Spree ein Tor mit dieser dezenten Aufschrift. Dahinter erstreckt sich ein Eckgrundstück auf welchem sich einige Hallen zwischen vielfältigen Baugerätschaften befinden. Überblickt man dieses Chaos, fokussiert man automatisch auf die überall herumliegenden Skulpturen. Mein Recherchewunsch war durch diesen Anblick geweckt.

 

Seit 2008 befindet sich das Gelände im Bau, seit 2010 hat die Giesserei auf dem Geländeden Betrieb aufgenommen. Mit der endgültigen Fertigstellung wird für 2016 gerechnet. Hinter dem unscheinbaren Namen „Bildgiesserei Herman Noack“ versteckt sich dabei ein Traditionsunternehmen, das inzwischen bereits in 4. Generation betrieben wird. Geschäftsführer ist derzeit Herman Noack der IV.

Dieses Unternehmen siedelte sich 2010 in die Charlottenburger Adresse Am Spreebord 9 um. Vorher befand sich das Traditionsunternehmen für 111 Jahre am Bundesplatz in Friedenau in der Varziner Straße. Die dortigen Räumlichkeiten des 1897 gegründeten Unternehmens waren im Laufe der Zeit einfach zu klein geworden. Schließlich ist die Auftragslage für Giessereien seit einiger Zeit wieder recht gut. Das Interesse an der Produktion klassischen Skulpturen erlebt eine wahre Renaissance und die Bildgiesserei Noack verfügt nicht nur über ein international anerkanntes Resümee, sondern weiß auch wie man ihre bereits in die Jahre gekommenen Bronzen am Besten restauriert.

Nach so langer Zeit im Geschäft hat die Bildgiesserei Noack so einiges produziert. Meine Recherche ergibt: Jeder von uns hat schon einmal ein Werk aus dieser Giesserei gesehen. Wenn auch die meisten von uns dies vileleicht nicht gewusst haben.

Dieser Gießerei verdanken wir beispielsweise das AVUS-Denkmal mit den beiden Motorrädern an der Messe Berlin oder die „Goldelse“ der Siegessäule. Auch die Bronzeskulptur „Big Butterfly“ von Henry Moore, die vor dem Haus der Kulturen der Welt steht und der als „Wasserklops“ bekannten Erdkugelbrunnen am Breitscheidplatz wurden von der Bildgiesserei Noack gegossen.

Der Berliner Bär der Künstlerin Renée Sintenis, welcher ankommende Besucher an der A115 (Dreilinden, Checkpoint Bravo) begrüßt, erblickte ebenfalls in der Giesserei Noack das Licht der Welt. Nach seinem Vorbild entstanden zudem bereits 600 Bären für die Berlinale.

Über die Grenzen hinaus bekannt wurde die Bildgiesserei Noack durch die weitgehende Neufertigung der Quadriga, welche sie 1957 mittels der Originalplastiken durchführte.

Ein beachtliches Resumeé! Aber das Unternehmen ruht sich auf diesen Erfolgen nicht aus. Erst im letzten Jahr schlossen sie das größte Einzelprojekt der Firmengeschichte ab. Dabei handelt es sich um ein Werk des Künstlers Jos Pirkner namens „Bullengruppe“. In Berlin erfolgte der Guss der „Bullen von Fuschl“ bestehend aus 14 bronzenen Bullen, die eine gigantische Skulptur von insgesamt 22 Metern Länge ergeben. Nach Fertigstellung haben sie vor der Red Bull Zentrale in Fuschl ihren endgültigen Standort eingenommen.

Bei über 100 Jahren Beschäftigung haben sich viele Gussformen und Skulpturen angesammelt. Bereits seit 1998 stellte die Bildgiesserei einen Teil ihrer Werke aus und hat sich so als Forum für zeitgenössische Bildhauerei etabliert. Entsprechend groß ist die werkseigene Sammlung. Doch viele Exponate, mussten bisher ihr Dasein im Keller fristen.

Dem will das Unternehmen auf dem neuen Firmengelände Abhilfe schaffen. Denn das Firmengelände am Spreebord ist gleich sechsmal so groß wie der alte Firmensitz. Produktion, Vertrieb und Geschichte sollen auf dem Gelände vereint werden. Der Bebauungsplan sieht daher ein wahres Skulpturenzentrum vor. Auf dem insgesamt 10.000 m² großen Areal sollen nicht nur Verwaltungs- und Werkshallen stehen. Auch die umfangreiche Sammlung der Bildgiesserei  soll hier ausreichend Platz erhalten. Darüber hinaus sind ein Café und ein Restaurant geplant,  welche die Gäste nach dem Besuch der Wechselausstellungen in der entstehenden Galerie verköstigen können. Darüber hinaus sind dreizehn Künstlerateliers geplant, welche auch in Zukunft die Bildgiesserei als Medium überdauern lassen.

Derzeit ist noch viel los auf dem Gelände am Spreebord und die Besichtigung nur von außen möglich. Bis zur geplanten Eröffnung des Skulpturenzentrums am Ufer der Spree 2016 bietet sich aber Berlin kostenlos und rund um die Uhr als eine einzige Ausstellungfläche berühmter Werke aus dieser Kunstschmiede an 😉

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