Schon einmal gehört? Radabstreifer aka Prellsteine

Manche Dinge lerne ich ganz zufällig kennen. Dann ist mein Interesse geweckt und ich möchte mehr darüber erfahren. Und wenn ich eine Entdeckung gemacht habe, fällt mir das Fundstück plötzlich überall auf. Ein sehr schönes Beispiel ist der Begriff Radabstreifer oder Prellstein. 

Ein Prellstein ist definiert als „Behauene, meist monolithische Steine, oft konisch nach oben verjüngend und/oder verziert; immer an Gebäude(ecken) Prellsteine dienen zum Schutz von Mauerecken und Toreinfahrten bzw. befinden sich auch beiderseits in engen Gassen. Es gibt teils sehr schön behauene Steine manchmal mit Wappen oder Jahreszahl.“ (Quelle: Klein- & Flurdenkmaldatenbank 2012)

Besonders bekannt sind die inzwischen 9 wiederhergestellten Radabstreifer-Figuren am Marktplatz von Waldkirchen.

Foto: Waldkirchener Radabweiser – Der ewige Hochzeiter von Matthias Hausbäck um 1850. Fotograf:  ekpah 2011 Quelle: Wikimedia Commons)

Ein sehr schönes Exemplar findet sich auch am Schloss Marienburg bei Hannover

Foto: Radabweiser um 1864 aus Zinkguß und Eisen im Schloss Marienburg in der Region Hannover, Niedersachsen, Deutschland. Fotograf: Michael Gäbler 2009 (Quelle: Wikimedia Commons)

Prellsteine bzw. Radabstreifer dienten zum Schutz der Häuserwände vor Beschädigung. Dabei musste der „Radabstreifer“ niedriger als die Radnabe sein, damit das Rad auch wirklich abstreift und nicht beschädigt wird. Neben engen Gassen sind die Radabstreifer auch an vielen Häuseinfahrten angebracht worden, um die Häuserwände vor Beschädigung durch Karren und Pferdefuhrwerke zu schützen.

Abgenutzter Bereich im Torbereich auf Höhe der Kutschräder. Palma de Mallorca Altstadt 2014

Abgenutzter Bereich im Torbereich auf Höhe der Kutschräder. Palma de Mallorca Altstadt 2014

In den engen Gassen der Altstadt von Palma de Mallorca habe ich einige dieser Schutzsteine gesehen aber nicht wirklich ihren Geschichtswert wahrgenommen. Dort waren die Toreinfassungen meist gänzlich verstärkt und dabei in den Baustil integriert.

Doch in den breiten Straßen Berlins hätte ich nicht gedacht sie wiederzusehen. Plötzlich fand ich sie sogar bei mir im Klausenerkiez!

Hier einige Fundstücke:

Ein besonders schönes Exemplar findet sich in der Seelingstraße 35. Hier werden die Hauswände von kleinen Drachenfiguren geschützt.

Drachen als Radabweiser Seelingstraße 35

Einen ähnlichen Drachen hat das Museum Pankow in seinem Besitz und ordnete diesen einer Kunstgießerei in Weißensee um 1886 zu.

Am Brandenburger Tor kommen übrigens alte Kanonenrohre als Radabweiser zum Einsatz.

Foto: Kanonenrohr als Radabweiser am Brandenburger Tor in Berlin. Fotograf: Michael F. Mehnert 2009 (Quelle: Wikimedia Commons)

Nach dieser kleinen Einführung geht es euch vielleicht wie mir und ihr entdeckt diese kleinen Steine aus der Vergangenheit ganz leicht in eurer Umgebung. Vielleicht stolpert ihr dabei ja auch über ein ganz besonderes Schmuckstück. Lasst es mich wissen!

 

 

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