Der Baukönig von Charlottenburg und seine Burg

Geht man auf Entdeckungstour in Charlottenburg, so kommt man an Alfred Schrobsdorff nicht vorbei. Als Immobilienunternehmer und Architekt war Schrobsdorff in den späten 1880ern so aktiv, dass er den Beinamen „Baukönig von Charlottenburg“ erhielt. Neben zahlreichen Gebäuden im Kiez, erstreckt sich seine Bautätigkeit in alle Himmelsrichtungen. Ein besonderes Fundstück steht dabei in Westend. Hier errichtete dieser berühmte Nachbar sogar eine „Burg“.

Leben und Wirken

Als Otto Emil Alfred Schrobsdorff wurde der spätere Baukönig von Charlottenburg am 29. Dezember 1861 geboren. Er war ein Sprößling eines verarmten brandenburgischen Landadels derer von Schrobsdorff. Zugunsten einer lukrativen Karriere in Berlin legte er den Adelstitel ab. Nach seiner Ausbildung zum Baumeister begann er entschlossen seinen Aufstieg zum Bau­unternehmer.

Sein späteres Bauimperium gründete er in der Straße 28 am Reitplatz (spätere Danckelmannstraße 9), wo sein erstes Bauunternehmen ansässig war. Während er im Klausenerkiez arbeitete erwarb er mit dem Grundstück in der Knobelsdorffstraße 15 seine erste eigene Immobilie. Der Grundstein für sein Immobilienimperium war gelegt.

Bereits 1888 erwarb er das erste Grundstück in der Wilmersdorfer Straße. 1893 waren die Bauarbeiten am Eckhaus am Stuttgarter Platz abgeschlossen. Im Gebäude Stuttgarter Platz 15 gründete Schrobsdorff dann seine erste Aktiengesellschaft und eine Familie. Bis 1908 wohnte die Familie am Stuttgarter Platz, bis es sie dank der Erfolge in der Immobilienbranche in die Villenkolonie Westend zog. Dort lebte die Familie Schrobsdorff in einer Prunkvilla in der Ahornallee 22, während der Hausherr das Neu-Westend mitgestaltete.

im 2. Weltkrieg zerstört die Villa Schrobsdorff in der Ahornallee 22

im 2. Weltkrieg zerstört die Villa Schrobsdorff in der Ahornallee 22

Nach seinem Tod  am 11. Februar 1940 fand Alfred Schrobsdorff seine letzte Ruhe auf dem Luisenfriedhof II an der Königin-Elisabeth-Straße 46.

Schrobsdorff als Baukönig

1892 gründete Alfred Schrobsdorff die Terraingesellschaft Stadtbahnhof Charlottenburg. Bis zu ihrer Auflösung 1901 kaufte die Aktiengesellschaft Baugrundstücke rund um den Stuttgarter Platz. Das ab 1892 als Stuttgarter Platz bekannte Areal am Bahnhof Charlottenburg versprach nach Schrobsdorff Meinung ein lukratives Geschäft zu werden. Schließlich fuhren schon damals über 100 Züge täglich in diesen Bahnhof, weshalb der Baugrund sich sowohl für Ladengeschäfte als auch bürgerliche Wohnhäuser anbot. Das Gelände war aufgrund der Gründerkrise erstaunlich günstig erwerbbar und wurde von Schrobsdorff Aktiengesellschaft gewinnbringend parzelliert, bebaut und verkauft. Besonders zur Freude seiner Investoren arbeitete die Terraingesellschaft dabei mit großem Gewinn. Die Aktionäre erhielten Rückzahlungen von über 168 Prozent des Nennwertes.

Danach wendete sich Schrobsdorff neuem Baugrund zu. Nahe der Villenkolonie Westend gab es attraktive Flächen, die auf Investoren und eine Bauplanung warteten. Gemeinsam mit Max Steinthal gründete er die Neu-Westend AG für Grundstücksverwertung in Charlottenburg und parzellierte das Areal rund um den heutigen Theodor-Heuss-Platz  und entlang der Reichsstraße.

Die Schrobsdorff’sche Burg

Während die neobarocke Villa der Familie Schrobsdorff in der Ahornallee den Krieg nicht überstand, findet sich in der nebenan gelegenen Klaus-Groth-Straße noch das ehemalige Remisen- und Stallgebäude, welches 1907 von Alfred Schrobsdorff errichtet wurde.

Klaus-Groth-Straße 9

Das Besondere an diesem Baudenkmal, das in zweiter Linie steht, sind seine malerischen Stilelementen, die es von der Straße aus gesehen zu einer mittelalterlichen Burg werden lassen.

Die Schrobsdorff'sche Burg

Bauten im Klausenerkiez

Da Schrobsdorff in der Danckelmannstraße 9 sein erstes Unternehmen hatte, fand er seine Aufträge auch in der Nähe. So entstanden über die Jahre zahlreiche Bauten nach seinen Entwürfen im Klausenerkiez. Dank der geringen Zerstörung durch Bomben, sind einige davon bis heute erhalten geblieben und als Baudenkmäler auch in Zukunft vor dem Abriss geschützt. Die folgenden Bilder aus dem Kiez zeigen die Orte, an denen Schrobsdorff Mietshäuser, Läden und Fabriken errichtet hat:

Alfred Schrobsdorff heute

Seit ihrer Gründung 1883 gibt es die Bau-Verwaltungsgesellschaft Dr. Schrobsdorff GmbH & Co. KG, welche von Alfred Schrobsdorff ins Leben gerufen wurde und noch heute in der Reichsstraße ihren Sitz hat. Sie betreut nach wie vor rund 330 Wohnungen vor allem in Westend und Kladow.

Seit 2003 gibt es zudem eine Familienstiftung Dr. Alfred Schrobsdorff, welche sich neben der Unterstützung nachkommender Familienmitglieder für den Erhalt öffentlicher Denkmäler im Westend einsetzt und auch das Heimatmuseum Charlottenburg fördert.

Übrigens wurde die Schrobsdorffer Straße in Neukölln (gleich 2 Fehler, es gibt nur die Schrobsdorffstraße und die befindet sich in Mahlsdorf, also im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, hiermit dank @nachholer verbessert) nicht nach dem Charlottenburger Baukönig, sondern nach Renate Schrobsdorff benannt. Damit ehrt Mahlsdorf seit 1904 die Rittergutsbesitzerin, welche die Entwicklung von Mahlsdorf tatkräftig unterstützt hat.

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