Berliner Sagen – „Der Stein der Lützower Kirche“

Erinnert ihr euch noch an eure Kindheit? Genauer gesagt an die faszinierenden Geschichten der Großeltern denen man in die Decke gekuschelt mit einer Tasse Kakao zuhörte? Bei den Recherchen rund um den Kiez habe ich mich genau daran erinnert und im Bücherregal gestöbert. Und tatsächlich habe ich meine Berliner Sagen wiedergefunden, die mir das ein oder andere Mal an kalten Winterabenden vorgelesen worden sind. Falls ihr noch nie vom Stein in der Lützower Kirche gehört habt, dann macht es euch gemütlich und lest diese Berliner Geschichte: 

Vor den Toren Berlins lagen die Schweden und ließen niemanden hinein oder hinaus. Der schwache Kurfürst war vor dem Elend geflohen und saß sicher in Königsberg. Adam von Schwarzenberg sollte die Heimat beschirmen. Der hingegen saß im festen Spandau und hielt jeden Tag Kriegsrat ohne etwas zu tun. Nun war auch noch die Pest in der Stadt Berlin ausgebrochen.

An der Wache am Spandauer Tor stand eine Frauengestalt und bat den Wächter sie über die Mauer zu lassen. Es war die Prinzessin Anna Katharina, die nach Spandau wollte. Der Wächter gehorchte und die Prinzessin überschritt auf einem schwankenden Brett den Festungsgraben, dann nahm sie der Tiergarten auf. Ein heimlicher Pfad führte sie zum Dorf Lützow. Am Hause eines Fischers klopfte sie an. Der verstand sie sofort und brachte sie mit seinem Kahn nach Spandau. Die Prinzessin gab sich zu erkennen und erhielt Einlass in die Festung Spandau. Man führte sie zu Schwarzenberg und sie zwang ihn zum Handeln und gegen die Schweden vorzugehen.

Dann eilte sie zur Spree zurück, wo der Fischer auf sie wartete. Aber die Schweden waren wachsam und Soldaten verfolgten sie. Der Fischer stieg an Land, warf einige ungebrannte Ziegelsteine auf das morastige Ufer und half der Prinzessin an Land.

Sie waren gerettet und in der Ferne hörten sie die Verwünschungen der schwedischen Soldaten.

Am Morgen holte der Fischer seinen Kahn. Da fand er in einem der Ziegelsteine am Flussufer den Fußabdruck der Prinzessin. Den Ziegel ließ er mitbrennen und bewahrte ihn sorgfältig auf.

Endlich waren die Schweden verjagt und wieder Friede im Land.

Da holte er den Ziegelstein hervor und zum Gedenken an jene Nacht wurde der Stein unter der Kanzel der Lietzower Kirche eingemauert, als das zerstörte Dorf neu erbaut wurde.  Die Kirche wurde endgültig im Zweiten Weltkrieg zerstört und mit ihr der Ziegel mit dem Fußabdruck der Prinzessin.

Webschmankerl & Bücherkiste zum Weiterlesen

Sagen von Berlin, motzbuch-edition

Gisela Griepentrog (2012): Berlin-Sagen.

Sylvia Feldmann (2012): Der Fisch am Rathaus. Sagen aus Berlin und der Mark Brandenburg.

Ingeborg Drewitz (1998): Märkische Sagen. Berlin und die Mark Brandenburg.

Inge Kiessig, Hanshermann Schlicker (1988): Berliner Sagen.

Claudia von Gélieu, Anna Zunterstein (2011): Wie den Berlinern ein Bär aufgebunden wurde. Geschichten aus Berlin.

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