Zeitreise an der Schlossstraße

Geht man vom Sophie-Charlotte-Platz in Richtung Schloss Charlottenburg, so kann man nicht nur architektonisch eine Zeitreise machen. Gleich zu Beginn auf der linken Seite der Schlossstraße gibt es ein recht langes Gebäude auf dem sich ein Bilderband erstreckt, welches in jeweils drei Bildern die Jahrzehnte zwischen 1920 und 1990 darstellt.

Der mächtige Gebäudekomplex mit der Adresse Schlossstraße 26-27 bietet für einen so weiten Zeitraum problemlos ausreichend Fläche. Denn das Gebäude ist nicht nur sehr lang und mächtig, sondern auch dank seiner Architektur etwas unansehlich. Um zumindest die untere Front etwas ansprechender zu gestalten, hat man sich Ende der 1970er Jahre Künstler gesucht, die eine malerische Verschönerung bewerkstelligen sollten. Für den guten Zweck wendete man sich diesbezüglich damals an die Jugendvollzugsanstalt Plötzensee.

Für die künstlerische Umgestaltung der Fassade des Seniorenwohnheimes in der Schlossstraße konnte man Paul Blankenburg gewinnen. Dieser hatte im Zuge der Arbeit mit jugendliche Strafgefangenen in der Jugendvollzugsanstalt Plötzensee die Künstlergruppe „Plötzlich“ ins Leben gerufen. Paul Blankenburg erarbeitete mit dieser Gruppe einen geschichtsbezogenen Wandzyklus, der anschließend auf die Fassade des Seniorenwohnheimes übertragen wurde. Neben der Begegnung zwischen Senioren und Jugendlichen wurde das Projekt eine Schnittstelle zwischen Kunst, Geschichte, Politik und Rehabilitation.  So entstand zwischen 1980 und 1985 ein Streetart ganz besonderer Art.

Die unbekanntere „Westside-Gallery“ in Charlottenburg  (Wolfkamp 2014)

Das 1983 fertig gestellte Projekt bietet einem eine Zeitreise von den 1920er an. Jeweils in einem Triptychon wird ein Jahrzehnt dargestellt.

Inzwischen ist der Bilderzyklus zu einem wahren Zeitdokument gereift. Fast 35 Jahre später bietet er uns nicht nur eine Zeitreise durch 70 Jahre Geschichte, er präsentiert darüber hinaus Malstil und Schwerpunktsetzung von Künstlern um 1980.

Glücklicherweise haben die Künstler bereits damals daran gedacht mittels ihrer Auflistung von „Zitaten aus den Jahrzehnten“ eine Grundlage für spätere Interpretationen des Wandbildzyklus zu hinterlassen.

Darstellungsplan Bilderzyklus

Darstellungsplan Bilderzyklus

Zwar haben die Spuren der Zeit auch an diesem Straßenkunstwerk nicht Halt gemacht, doch ist es erstaunlich gut erhalten geblieben. Eine Hinweistafel gibt auch darüber Aufschluss:

Bereits Mitte der 1990er wertete man den Bilderzyklus als ein erhaltenswertes Zeitdokument. Im Zuge eines schulübergreifenden Kunstprojekts wurde das lange Mural deshalb 1994 von Schülerinnen und Schülern der Pommern- und der Schlesienschule (heute Paula-Fürst- und Oppenheim-Schule) restauriert. Getragen wurde die Wiederherstellung damals gleichermaßen vom Kunstamt und der Abteilung Sozialwesen des Bezirksamtes.

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