Begegnungen – die Skulptur vor der Messe Berlin

Als ich diese Skulptur vor dem Eingang zur Messe Berlin gesehen habe, hatte ich das Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben. Und wie das mit dem bewussten Entdecken so ist, habe ich in den darauffolgenden Tagen gleich zwei weitere sehr ähnliche Skulpturen ‚wiederentdeckt‘ und bei der Recherche noch einige weitere dem Künstler zuordnen können.

Dabei handelt es sich gar nicht um einen Künstler, sondern vielmehr um ein Künstlerpaar. Die beiden kreativen Köpfe heißen Brigitte Matschinsky-Denninghoff  und Martin Matschinsky und wurden in den 1920er Jahren in Deutschland geboren. 1952 lernten sich die beiden in Darmstadt kennen, heirateten 1955 und arbeiteten anschließend in München, bis es sie 1969 in Brigittes Heimatstadt Berlin zog.

Bekannt wurde das Bildhauer-Ehepaar für ihre monumentalen abstrakten Skulpturen, bei welchen sie vorwiegend Chromnickelstahl verwendeten. Für die Umsetzung ihrer Visionen entwickelten sie ein eigenes Herstellungsverfahren und blieben den dafür gewählten Materialien über Jahrzehnte des Schaffens hinweg treu.

Charlottenburg-Wilmersdorf

Die Skulptur am Ost-Eingang der Messe Berlin im Westend, gleich gegenüber dem ICC trägt den Titel „Begegnungen“ und wurde 1978/79 von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff geschaffen. Ein passender Name für die Stahlskulptur, in welcher die dicken Stahlglieder fast drei Meter hoch nebeneinander aufragen oder sich an manchen Stellen ineinander verschlingen.

Skulptur Begegnungen 1978

Ein weiteres Werk mit dem Titel „Große Ringer“ befand sich bis 1989 nahe dem Gelände der Technischen Universität in der Otto-Suhr-Allee 6-16, steht dort heute aber nicht mehr. 2010 wurde diese Skulptur auf einer Auktion verkauft.

Seit 1974 noch immer vorhanden ist hingegen der „Adenauerbrunnen“ auf dem gleichnamigen Platz am Kurfürstendamm Ecke Wilmersdorfer Straße.

Die wohl bekannteste Skulptur des Künstlerpaares findet sich auf dem Mittelstreifen des Tauentzien zwischen Nürnberger und Marburger Straße. Sie entwickelte sich seit ihrer Aufstellung als Teil des Skulpturenboulevards anlässlich der 750-Jahrfeierlichkeiten Berlins im Jahr 1987 zu einem beliebten Fotomotiv. Die ineinander verschlungenen Bögen tragen den Titel „Berlin“ und symbolisierten die Teilung der Stadt. Nach der Wiedervereinigung wurde die vierteilige fast acht Meter hohe Skulptur von vielen Betrachtern als Ausdruck des Zusammenwachsens von Ost und West uminterpretiert.

 Zehlendorf-Steglitz

Eine weitere Skulptur des Künstlerpaares steht neben dem Friedrich-Meinecke-Institut in Zehlendorf. Das in der Koserstraße 20 ansässige Gebäude der Freien Universität beherbergt die Fachbereiche Geschichte, Kunstgeschichte sowie Veterinärmedizin. Rechts vor dem Haupteingang steht der 1970 geschaffene „Große Würfel“.

GroßerWürfel von Matschinsky-Denninghoff (1970)

GroßerWürfel von Matschinsky-Denninghoff (1970)

Zudem findet in der Fabeckstraße 34-36 die Skulptur „Scientia“ eine passende Umgebung, ist dies doch der Sitz der Anorganischen Chemie. Dieses Werk des Künstlerpaares entstand bereits 1963 und verzichtet noch auf die großen Stahlstränge, die später zum Markenzeichen von Matschinsky-Denninghoff avancierten.

Mitte

Im Garten des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung am Reichpietschufer findet sich ein Werk mit dem Titel „Herkules„, dass bereits 1972 von den Künstlern geschaffen und ursprünglich auf dem Gelände der Neuen Nationalgalerie aufgestellt worden war. Anlässlich der MoMa-Ausstellung 2004 zog diese an den nahegelegenen heutigen Standort um.

Verblieben ist hingegen eines der frühesten Werke Matschinsky-Denninghoffs im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie. Die 1962 entstandene Skulptur mit dem Titel „Afrika IV“.

AfrikaIV_Matschinsky-Denninghoff (1962)

AfrikaIV Matschinsky-Denninghoff (1962) Neue Nationalgalerie

Friedrichshain-Kreuzberg

Desweiteren kann man auf dem Gelände des Krankenhaus Friedrichshain eine spätere und filigranere Arbeit entdecken. Diese trägt den Titel „Elemente“ und entstand erst 1997, als sich das Künstlerpaar bereits nach Schönefeld nahe der Elbe zurückgezogen hatte.

Bild: Kunstwerke im Krankenhaus Friedrichshain/sculpture Elemente (1997) by Matschinsky-Denninghoff in Berlin/Germany / Fotograf: Angela Monika Arnold (2008) / Quelle: Wikimedia Commons

Seit Brigitte Matschinsky-Denninghoff 2011 verstarb, lagert der Nachlass des Künstlerpaares in der Berlinischen Galerie. An deren Sitz in der alten Jakobsstraße findet sich noch die 1993 entstandene Skulptur mit dem Titel „Dreiheit„.

Bild: Berlin-Kreuzberg, Alte Jakobstraße, Außenbereich Berlinische Galerie
Matschinsky-Denninghoff: Dreiheit, Chromnickelstahl, 1993 /Fotograf: Andreas Praefcke (2009) /Quelle: Wikimedia Commons

Webschmankerl

  • Nach Künstlern, Epochen und Bezirken sortiert, finden sich Informationen zur Berliner Skulpturenlandschaft im öffentlichen Raum sowie deren Veränderungen auf der Website  Bildhauerei in Berlin
  • Über Berliner Denkmäler kann man sich in der Datenbank der Senatsverwaltung für
    Stadtentwicklung und Umwelt Berlin informieren und recherchieren.
  • Für die Kunst im öffentlichen Raum im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf stellt das Bezirksamt eine Liste zur Verfügung.
  • Stefanie Endlich, Bernd Wurlitzer (1990) :Skulpturen und Denkmäler in Berlin.
  • Attila Schauschitz (2014): Berliner Miniaturen.
  • Jörn Merkert und Christa Lichtenstern (2001): Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff. Werke aus fünf Jahrzehnten in der Sammlung der Berlinischen Galerie.
  • Zusammenstellung über Leben und Werke des Künstler-Ehepaares
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