Die Minnesänger vom Richard-Wagner-Platz

Ein Stück visualisierte Musikgeschichte findet sich in der Altstadt Charlottenburg. Am Ausgang des U-Bahnhofs Richard-Wagner-Platz der Linie U7 gibt es reich verzierte Mosaike, welche die berühmtesten Minnesänger darstellen. Das sogenannte Minnesängermosaik kann aber auch selbst eine aufregende Geschichte erzählen.

1973 begann man mit dem Bau des neuen Bahnhofs am Richard-Wagner-Platz der Linie U7 in Charlottenburg. Der seit 1903 an selber Stelle befindliche Kleinprofilbahnhof wich dem moderneren Bauvorhaben. Abgeschlossen wurden die Bauarbeiten 1978. Seitdem können Besucher hier auch das Minnesängermosaik bewundern, welches ganz alleine etwas Musikflair aufkommen lässt.

 

Wie eingangs erwähnt, hat dieses Mosaik eine ganze Menge erlebt. Alles begann dabei am Potsdamer Platz…

Unterhaltung am Potsdamer Platz

In den 1920er Jahren war der Potsdamer Platz bekannt für seine schnellen Tage und langen Nächte. Legendär geworden sind das „Haus Vaterland“ mit Tanz-Café und Restaurants, der „Ufa-Filmpalast“, der „Europa-Tanz-Pavillon“ oder das „Café Josty“ . In den „Rheinterrassen“, einem der Restaurants im „Vaterland“, ließ man mehrmals am Abend Gewitter mit elektrischen Lichtblitzen und Regen aus Wasserleitungen stattfinden. All diese Etablissements prägen bis heute die Vorstellung von den Goldenen Zwanzigern. Und in einem dieser Vergnügungstempel befand sich früher einmal das Minnesängermosaik.

Geschichte des Bayernhofs

Bereits 1903/04 wurde an der Potsdamer Straße 24 nach den Entwürfen von Wilhelm Walther ein Haus erbaut. Nach nur fünf Jahren erfolgte der Umbau durch den Warenhauskonzern Wertheim, um nach weiteren fünf Jahren bereits wieder geschlossen zu werden. Doch mit der wachsenden Zahl an Nachtschwärmern in den Goldenen  Zwanzigern sah auch das von Wilhelm Walther errichtete Gebäude wieder rosigere Zeiten anbrechen. 1926 wurde es als Bayernhof wiedereröffnet.

Berühmt wurde der Bayernhof als historische Gaststätte und Hotel, in dessen unterschiedlichen Themenbereichen Touristen und Einheimische (ab)gespeist wurden. Der Potsdamer Platz bot damals verschiedenste Attraktionen, welche zum abendlichen Amusement einluden. Und das Vergnügungsetablissement „Bayernhof“ zählte als eines der beliebteren Bierhäuser dazu. Im sogenannten Minnesängersaal überwachte das von Johann Odorico gefertigte Glasmosaik das geschäftige Treiben von der Decke aus.

Minnesängersaal

Traurige Berühmtheit erlangte der Bayernhof, als Georgi Dimitroff hier zusammen mit zwei weiteren bulgarischen Staatsbürgern verhaftet wurde. Alle drei hielten sich illegal in Deutschland auf und arbeiteten für die Kommunistische Internationale. Sie wurden beschuldigt, zehn Tage zuvor gemeinsam mit Marinus van der Lubbe den Reichstag in Brand gesteckt zu haben.

Das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Gebäude stand wie viele seiner Nachbarn bis in die 1970er als klagender Zeitzeuge auf den Trümmern des Potsdamer Platzes. Noch 1969 wurde die Ruine für Konzerte genutzt, bis sie Mitte 1975 endgültig gesprengt wurde. Das Minnesängermosaik jedoch wurde gerettet und dem neuen U-Bahnhof in Charlottenburg übereignet.

Charlottenburg – St.-Georg-Brunnen

Ein weiteres Relikt des Bayernhofs findet sich übrigens ebenfalls in Charlottenburg. Am Hindemithplatz im Galerienviertel zwischen Mommsen-, Giesebrecht- und Wilmersdorfer Straße steht der  St.-Georg-Brunnen,  welcher zu den schönsten Brunnen Berlins gezählt wird.

Dieser Brunnen stand ursprünglich im Löwenhof in der Potsdamer Straße 24. Aufwendig wurde er 1980 restauriert und in Charlottenburg aufgestellt. Nur fehlt ihm seit dem 2. Weltkrieg sein bronzener Georg, der wurde während des Krieges gestohlen und nicht rekonstruiert.

Bild: Der St.-Georg-Brunnen auf dem Hindemithplatz in Berlin-Charlottenburg. Gesamtansicht. / Fotograf: Manfred Brückels (2009) / Quelle: Wikimedia Commons

Webschmankerl & Bücherkiste

  1.  Mosaiken der Ludwig-Maximilians-Universität München
  2.  Die Kuppelmosaiken im Berliner Dom in: Zeitung des Berliner Dombauvereins eV 7/2000.
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