Der knallgelbe Lindwurm der Messe Berlin

Das Messegelände ist zwar baulich recht spannend, doch farblich eher eintönig. Deutlich dominiert die Farbe grau. Bei blauem Himmel sieht das auf Fotos recht ansprechend aus, vor allem wenn sich noch etwas grün hinzu mischt. Aber sobald es ein paar Wolken gibt, wirkt auch das Messegelände äußerst trist. Umso deutlicher fällt einem dann aber die gelbe Skulptur auf, die sich an der Westseite des Messegeländes befindet.

 Die Skulptur „Looping“

Der gelbe Lindwurm schlängelt sich 19 Meter hoch und 50 Meter lang unter dem Funkturm entlang. Wer am Messegelände von der Autobahn abfährt, der kann die große Skulptur aus einfachem Stahlrohr dank seiner quietschgelben Lackierung gar nicht übersehen. Der Entwurf wurde von der Bildhauerin Ursula Sax für einen Wettbewerb 1987 eingereicht. Die unter dem Titel „Looping“ eingereichte Idee wurde dann 1992 aus einem 130 Meter langem Stahlrohr realisiert, der sich mehrfach in sich windet.

 

Was man sonst noch über die Skulptur sagen kann? Ich bin da wirklich kein Kunstkenner. Mir gefällt die gelbe, geschwungene Form einfach – gerade durch den Gegensatz zu den grauen Bauten und deren klare Linien. Daher hier eine etwas ausführlichere Bewertung der Kulturplattform:

„Eine ebenso konstruktiv-dynamische wie informell-organische Form, zugleich aber auch eine übermütige, lakonische Erhebung über den öffentlichen «Sinn» von Kunst und eine parodistische Imitation des sie umgebenden Raumes: nämlich jener von den zahlreichen, irrwitzigen Straßenschleifen des Autobahndreiecks am Berliner Funkturm durchzogenen transitorischen Brache einer «autogerechten Stadt» […]
Die Ausmaße der Skulptur sind riesig, raumgreifend, auch raumbildend, sie wirft die berechtigte Frage auf, was eigentlich die Skulptur ist, die Realität des Autobahnkreuzes oder die vermeintliche des Kunstwerks?“ (Carsten Probst)
Auf jeden Fall gilt der „Looping“ als das bekannteste Werk der Künstlerin Ursula Sax.

Die Künstlerin

Seit fast 65 Jahren arbeitet Ursula Sax als Künstlerin. Dabei hat sie sich immer wieder anderen Materialien zugewendet und mit diesen sehr facettenreiche Werke geschaffen.

Nach fünf Jahren Studium in Stuttgart, zog es sie 1956 an die Hochschule der Künste in Berlin, wo sie 1960 als Meisterschülerin bei Hans Uhlmann abschloss.

Danach war Sax freischaffend in Berlin tätig und erhielt 1985/86 eine Gastprofessur der HdK. Nachdem sie 1989 erneut an der HdK als Gastprofessor unterrichtete, entwickelte sich der persönliche Lehrschwerpunkt. Der Professur an der HdK Braunschweig ab 1990 folgte drei Jahre später eine Stelle in Dresden, wo sie bis zu ihrer Emeritierung tätig war. Doch der Ruhestand 2000 brachte ihr nur wieder mehr Zeit für die freischaffende Arbeit als Künstlerin.

2010 löste sie ihr Atelier in Radebeul auf und verschenkte einen Großteil ihrer Werke an verschiedene Museen. Darunter auch 80 Werke dem Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, welche die Kuratoren der Berlinischen Galerie vor Ort auswählten. So entstand im selben Jahr eine Ausstellung ihrer Werke, welche die Künstlerin wieder bekannt machte. Zur Eröffnung der Ausstellung nach Berlin gereist, verfiel die Künstlerin erneut dem Charme der Hauptstadt, weshalb sie seit 2013 wieder in Berlin lebt.

Weitere Werke in Berlin

Wie das mit der Kunst im öffentlichen Raum so ist, findet man so einige Werke, wenn man einen Künstler erst einmal auf dem Schirm hat. Neben dem „Looping“ an der Messe in Charlottenburg gibt es von Ursula Sax noch eine Brunnenplastik neben dem Rathaus Zehlendorf von 1974, ein Wandmosaik am Kinderheim in der Bergstraße von 1979/80, ein Brunnen in der Klosterstraße 38, sowie die „Welle“ in der Leonorenstraße 35. Das älteste Werk der Künstlerin im Berliner Stadtbild war ein Bronzerelief am Pharmazeutischen Institut in der Königin-Luise-Straße, welches 1966 aufgestellt wurde.

Bild:  Brunnen von Ursula Sax im öffentlichen Raum, Berlin-Zehlendorf Fotograf: Bossletpublicart 2009 Quelle: Wikimedia Commons

Webschmankerl

 

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