Wie der Spreekieker zu seinem Namen kam

Direkt an der Spree findet sich eine Bronzestatue, die mit Schirmmütze und Pfeife über die Spree schaut. Ihr Name ist: Spreekieker. Doch nicht allein der Standort an der Spree in Verbindung mit dem Berliner Wort für „schauen“ haben dem Spreekieker seinen Namen verliehen. Unter gleichem Titel gab es einmal eine Sendung von Alfred Braun.

Der Spreekieker am Ufer der Spree

Die Bronzeskulptur von Gertrud Bergmann überblickt seit 1983 nahe dem Iburger Ufer Ecke Arcostraße die Spree.

Spreekieker 2Unter dem Schiffer, der mit seiner Pfeife die anlegenden Schiffe beobachtet, befindet sich eine erläuternde Tafel mit den Worten:

Gedenktafel Spreekieker_Alfred Braun

Vom Alexanderplatz bis nach Charlottenburg

Alfred Braun wurde als Arbeitersohn nahe dem Alexanderplatz am 3. Mai 1888 geboren und wuchs dort in einem proletarischen evangelischen Elternhaus auf. Bereits neben der Schule verdiente Braun etwas Geld als Schusterjunge, indem er Schuhwerk in Schöneberg austrug. Der begabte Junge erhielt dank eines Stipendiums die Chance auf eine akademische Laufbahn. Doch brach er das Abitur ab, um seiner Leidenschaft – der Schauspielkunst – zu folgen. In diesem Metier glänzte Alfred Braun und konnte bereits mit 17 Jahren ein festes Engagement auf der Bühne erlangen. Das Berliner Schillertheater schloss einen  Bühnenvertrag  über fünf Jahre ab, um sich das junge Talent zu sichern. Braun spielte bis 1920 auf den Bühnen des Schillertheaters und bis 1923 auf anderen Berliner Theaterbühnen. Zunehmend machte er sich auch einen Namen als Regisseur.

Nebenher versuchte sich Braun ab 1919 auch dem aufstrebenden Medium Film zu und wirkte, nachdem er bereits 1912 in einem Kurzfilm debütiert hatte, in mehreren Produktionen mit. Das Filmgenre wurde zunehmend zum zweiten Standbein des Schauspielers. Doch es war ein anderes Medium, das Braun ab 1924 voll und ganz in Anspruch nahm und ihm zu unverhofftem Ruhm verhalf: Der Rundfunk.

Der Rundfunkpionier

Dort arbeitete er ab Mai 1924 als freier Mitarbeiter bei der Berliner Funkstunde. und leistete bald als fest angestellter Mitarbeiter entscheidene Pionierarbeit. Als Leiter der Sendebühne, in welchem Theaterstücke vertont wurden, avancierte Braun zum bekanntesten Sprecher des Rundfunks. Wie ein Gastgeber auf einer Party führte er durch das Abendprogramm. Jede seiner Sendungen begann mit dem Ansagespruch „Achtung, Achtung, hier ist Berlin“, das schnell zu seinem Markenzeichen wurde.

Bild: Der jubelnde Empfang des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ in der Reichshauptstadt Berlin! Der bekannte Rundfunkansager Alfred Braun, welcher die Zeppelinempfangsfeierlichkeiten in Berlin durch den Rundfunk mitteilte. Fotograf: Unbekannt, German Federal Archives/ Aktuelle-Bilder-Centrale, Georg Pahl (Bild 102) Quelle: Wikimedia Commons

Des weiteren war Braun wesentlich an der Entstehung der Hörfunkreportage beteiligt. Sein ganz besonderes Talent war, dass er aus dem Stehgreif flüssig sprechen konnte. Dabei redete er mit einer solchen Eloquenzt,  dass beispielsweise seine Rundfunkübertragung der Verleihung des Literaturnobelpreises an Thomas Mann ungekürzt im Berliner Tageblatt abgedruckt wurde.

Erst mit 70 Jahren schied er 1958 aus der festen Rundfunktätigkeit aus. Doch ganz konnte er auch nach so langer Zeit dem Rundfunk nicht vollständig den Rücken kehren.

Alfred Braun und der Spreekieker

Als freier Mitarbeiter nahm er auch weiterhin am Rundfunkgeschehen teil. So sendete der SFB ab 1962 alle vierzehn Tage Gespräche mit dem Radiopionier. In denen sprach Braun über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Berlin und ließ die Zuhörer an der Reflexion über seine Erinnerungen an seine Heimatstadt teilhaben. Mit der „Spreekieker“ genannten Sendung schlüpfte Alfred Braun in den letzten 15 Jahren seines Lebens in die Rolle des Berichterstatters vergangener Zeit. Aber gerade diese Erfahrungen machten ihn zugleich zu einem fundierten Bewerter tagesaktueller Geschehnisse. Als Spreekieker dachte Alfred Braun über Berlin nach, machte Erinnerungen plastisch, zitierte fast vergessene Dichterworte und verband auf diese Weise Gegenwart mit Vergangenheit. Da Brauns Sehkraft ab 1968 so nachließ, dass er schließlich kein Manuskript mehr schreiben oder lesen konnte, sprach er die 20 Minuten der Sendung komplett frei.

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