Großprojekt: Sanierung des Schloss Charlottenburgs

Das Schloss Charlottenburg unterzieht sich gerade einer Hüllensanierung, weshalb sich immer wieder ein anderer Teil der Fassade vor den Augen der Besucher und den Kameralinsen hinter weißen Planen und Gerüstanlagen versteckt. Die Hüllensanierung ist Bestandteil des Masterplans „Ein Quart Geschichte“ zur Rettung der preußischen Schlösser und Gärten. Die Gesamtsanierung umfasst aber nicht nur den Erhalt des barocken Schlosses. Gleichzeitig erfolgt eine umfassende Modernisierung der Haustechnik. 

Vor 60 Jahren fand der Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Schlosses statt. Daher bedürfen sämtliche Gebäudeteile der einstigen Hohenzollernresidenz einer grundlegenden Instandsetzung. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen werden nun die Fassaden, Fenster und Dächer überarbeitet. Gleichzeitig wird die technische Infrastruktur modernisiert. Bei dem Sanierungsprojekt trifft so Alt auf Neu, wie das in gelungener Weise bereits auf dem Bauzaun vor dem Neuen Flügel dargestellt wird.

Hüllensanierung

Insgesamt findet die Fassadenerneuerung in zehn Bauabschnitten von Osten nach Westen statt. Ende 2014 konnten bereits zwei Teilprojekte erfolgreich abgeschlossen werden. Nach der Fassadensanierung des Neuen Flügels und des Küchenflügels sowie der Modernisierung der Infrastruktur im Kellergeschoss war die Wiedereröffnung des Neuen Flügels für das Publikum am 26. Dezember 2014 ein besonderer Höhepunkt der Masterplanarbeiten am Schloss Charlottenburg. Im April sah man dann den nächsten Abschnitt vom Baugerüst umhüllt:

Baugerüst Schloss Charlottenburg Abschnitt 2

Nun im Juni verhüllen sich auch schon die nächsten Abschnitte:

Bei der Sanierung gibt es wirklich viel zu tun. Schließlich trägt die prächtige Fassade des Schlosses viele verschiedene Schmuckelemente, die aus Naturstein, Stuck, verputztem Mauerwerk, Metall und Holz bestehen. Ungeschützt den Elementen und Witterungen ausgesetzt, weisen diese inzwischen Schäden auf, die nicht mehr mit einem neuen Farbanstrich behoben werden können.

Detailreiche Fassade

Mittels ausführlicher Analysen der Schäden wurde Art und Umfang der Sanierungsarbeiten ermittelt und das beste restauratorische Vorgehen bestimmt. Denn bei den Arbeiten geht es vor allem um die Sicherung und den Erhalt vorhandener Bausubstanz. Moderne Verfahren, wie Risssanierungen, Hinterfüllungen oder Antragungen mit Restaurierungsmörtel kommen rund ums Schloss zum Einsatz. Wo dennoch größere Arbeiten notwendig geworden sind wird das Ergänzen größerer Fehlstellen oder der Ersatz ganzer Bauteile von Steinmetzen, Stuckateuren und Kunstschlossern in traditioneller Handwerkstechnik übernommen.

Wenn alle Arbeiten Ende 2017 planmäßig abgeschlossen sind, erhält das Schloss Charlottenburg auch noch einen neuen Anstrich. Die Farbgestaltung bleibt dabei natürlich unverändert.

Technische Infrastruktur

Bei den umfassenden Sanierungsmaßnahmen werden jedoch nicht nur Schäden behandelt, die sich im Laufe der Jahrzehnte an der Fassaden ergeben haben. Gleichzeitig denkt man bei den Arbeiten auch an die Zukunft. So erfolgt eine Modernisierung der technischen Gebäudeausrüstung und der zentralen Steuerung und Überwachung der Anlage. Die technische Infrastruktur aus den 1950er und 1960er Jahren wurde zwar immer wieder erweitert und repariert, doch hat sich dadurch ein wahres Labyrinth entwickelt, dass im Zuge der Sanierung nun komplett neu organisiert und modernisiert wird.

Ein Schwerpunkt in der Sanierung ist die Verbesserung des Energiehaushaltes für das Schloss Charlottenburg. Hierfür erhält das Heizungssystem ein Update.

Die Wärmeversorgung erfolgt über einen Fernwärmeanschluss, die vier Unterstationen werden komplett ausgetauscht, die Übergabestation wird durch moderne Wärmetauscher und eine neue Pumpentechnik ergänzt. Sämtliche Heizungsrohre in den Kellergänge erhalten eine neue Wärmedämmung. Die seit 2000 als gefährlich eingestufte Ummantelung und Isolierung wird entfernt und entsorgt.

Die zum größten Teil noch ungedämmten Geschossdecken erhalten nun auch effiziente Dämmmaterialien um Wärmeverluste zu reduzieren.  Die lufttechnischen Anlagen im Dach- und Kellergeschoss werden demontiert, ebenso die Zuleitungen der Deckenheizung. Anschließend werden moderne Anlagen eingebaut. Durch die Erneuerung der raumlufttechnischen Anlagen bleiben zuküftig nicht nur die vielen Exponate besser erhalten, gleichzeitig wird der Energieverbrauch des Schlosses maßgeblich gesenkt.

Zusätzlich erfahren alle Notfallsysteme eine Überarbeitung. Die Anlagen zur Brandfrüherkennung und Sicherheitsbeleuchtung werden ausgebaut, die Verteilernetze der Schlosseigenen Notstromversorgung werden neu geordnet. Tiefbauarbeiten im Gartenbereich garantieren auch zukünftig die Löschwasserversorgung, die Regenwasseranschlüsse werden repariert und der Blitzschutz erneuert.

Darüber hinaus wird die Beleuchtung in fast allen 425 Räumen des Schlosses auf den neuesten Stand gebracht. Liest man diese Liste der anfallenden Arbeiten, kann man schnell verstehen, dass die Arbeiten bis Ende 2017 andauern werden. Nach allen Begutachtungen ist übrigens die Überarbeitung der insgesamt 837 Fenster am Zeitintensivsten.

Diese sind an sich zwar noch in einem guten Zustand und müssen nicht ausgetauscht werden, doch werden die Rahmen von Tischlern, Glasern und Maler im Rahmen der Grundinstandsetzung überarbeitet. Da die meisten Fenster raumhoch sind, muss deren Instandsetzung  an Ort und Stelle vorgenommen werden, um Auswirkungen durch klimatische Veränderungen auf Wand-und Deckenfassungen sowie die Fußböden zu vermeiden. Für die bessere Energie- und Wärmebilanz werden die Fensteranschlüsse zur Wand hin abgedichtet, die Verglasungen bei Bedarf erneuert und eingebaute Stahlbauteile thermisch getrennt. Schlussendlich werden alle noch vorhandenen Einfachfenster mit einer inneren neuen Ebene versehen und Sonnenschutzfolien angebracht.

Für die Verbesserung der Energiebilanz des barocken Schlosses stellt allein das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung insgesamt 5,2 Millionen Euro aus ihrem Energieeinsparfond zur Verfügung.

Ein Quart Geschichte

Die Sanierungsmaßnahmen am Schloss Charlottenburg sind einer der Schwerpunkte des Masterplans zum Erhalt bedeutender Zeugnisse der nationalen Kulturgeschichte. Bis 2017 finanzieren Bund und Länder durch ein Sonderinvestitionsprogramm von insgesamt 155,03 Millionen Euro die Rettung der Preußischen Schlösser und Gärten. Der Bund trägt 77,5 Millionen Euro bei, das Land Brandenburg 53 Millionen Euro  und das Land Berlin 24,53 Millionen Euro. Zusätzlich wird manches Quart Geschichte durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert.

„Jeder Mensch, der in Gesellschaft lebt, soll danach streben, sich ihr nützlich zu machen.“ (Friedrich der Große 1758)

Was ein Quart ist?  Nun, das ist ein altes preußisches Papiermaß, welches die Korrespondenz Friedrich des Großen aufwies. Ein Quart ist ein 22,5 mal 28,5 Zentimeter großes handliches Papierformat.

Unter dem Spendenaufruf „Ein Quart Geschichte“ wurde bereits erfolgreich der 600 m² umfassende Marmorboden des Marmorsaals im Neuen Palais in Potsdam restauriert.

Besuche im Schloss Charlottenburg bis Ende 2017

So eine Gesamtsanierung lässt den Tourismus natürlich nicht außer Acht. Dass heißt, die Sanierungsmaßnahmen werden so koordiniert, dass Besucher bis Ende 2017 nicht vor verschlossenen Türen an einer Großbaustelle stehen werden. Schließlich ist das Schloss Charlottenburg seit dem Verlust des Berliner Schlosses die größte erhaltene ehemalige Hohenzollernresidenz in Berlin. Trotz der Arbeiten bietet das Schloss Charlottenburg auch weiterhin als Museumsschloss ein herausragendes Ensemble von beeindruckenden Gebäuden, prachtvollen Innenräumen und kunsthistorischen Meisterwerken. Und hinter der verhüllten Fassade gewährt das Schloss Besuchern nach wie vor vielseitige Einblicke in die höfische Kulturgeschichte Brandenburg-Preußens von der Barockzeit bis ins 20. Jahrhundert.

Durch die Abschnittsweise Sanierung bleiben immer Teile des Schlosses für Besucher geöffnet.  Nur ein unverhülltes Schloss für das beliebte Urlaubsfoto wird es bis dahin nicht geben. Dafür bietet sich für alle Besucher mit dem verhüllten Schloss bis voraussichtlich Ende 2017 ein völlig verändertes Fotomotiv.

Webschmankerl

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