Wie weit ist es noch? Meilensäulen in Charlottenburg

Eine Meile ist ein Längenmaß von knapp 1,5 Kilometern. Das war aber nicht immer so. Um die Entfernung und damit die Wegezeiten zu bestimmen, richtete die Post ab 1700 die Postmeile ein. Bei der preußischen Meile handelte es sich um eine Distanz von etwa 7,5 Kilometern, welche die Postreiter und Postkutschen innerhalb von zwei Stunden absolvieren sollten.

Um genau zu sein, entsprach das alte Preußische Längenmaß, das durch Postmeilensäulen markiert wurde:

Meile = 2000 Ruten 7,532 km

Gleich zwei dieser Säulen habe ich in Charlottenburg entdeckt. Die Prominenteste findet sich am Spandauer Damm schräg gegenüber vom Schloss Charlottenburg. Ihre goldene Spitze ist nicht zu übersehen.

Die Meilensäule mit der goldenen Spitze

Meilensäule

Meilensäule

Auf einem etwa 1,6 m hohen Sockel befindet sich die etwa 4 m hohe Sandsteinsäule. Darauf ruht ein runder goldener Sockel mit der ebenfalls goldenen Kugel obenauf, abgeschlossen von einer ebenfalls goldenen Spitze.

Diese Meilensäule steht vor dem ehemaligen Marstall am Spandauer Damm Ecke Nithackstraße. Sie wurde 1799 (nach Lichtenfeld) oder 1828 (nach Liman) geschaffen. Angeblich soll dieser Wegmarker auf Wunsch Luises direkt vor ihrem Fenster im Schloss Charlottenburg aufgestellt worden sein. Ursprünglich stand sie damit auf dem Luisenplatz.

Als dieser anlässlich der 100-Jahrfeier Charlottenburgs umgestaltet wurde, musste die Meilensäule weichen. Seitdem steht sie an heutiger Stelle. 1937 wurde die Säule restauriert und die Kugel 1990 neu vergoldet.  Auf der Säule steht: „1 Meile von Berlin“, wobei sich die Entfernung auf die alte Stadtmitte Berlins bezieht.

„Wie die Treue der Grundzug seines (Wilhelms I.) Wesens war, so hing er auch an dem Charlottenburger Schloss, in welchem er einen großen Teil seiner Jugendjahre verbracht hatte, und nichts durfte daran geändert werden: Als ohne sein Wissen der Meilenstein, welcher auf dem Luisen- Platz aufgerichtet war, bei der Einführung des Metermaßes nach dem Schloss Ruhwald in die Zehn- Kilometer- Entfernung von Berlin versetzt wurde, befahl er, sowie er davon Kunde erhielt, die unverzügliche Wiederaufstellung an dem alten Standort…« (Wilhelm Gundlach, Geschichte der Stadt Charlottenburg, S. 669)

Meilensäule am Ruhwald-Park

Noch heute findet sich am Ruhwald-Park eine wesentlich unscheinbarere Säule, welche Passanten die Entfernung bis Berlin mit „\1 Meilen“ angibt.

 

Dieser Meilenstein wurde zwischen 1830 und 1835 aufgestellt. Der 90 Zentimeter hohe Rundsockelstein aus Granit trägt die Inschrift „/I MEILEN BIS BERLIN“.

Nach Sasse bedeutet die Entfernungsangabe 1½ Meilen bis zum Berliner Stadtschloss, welches ab 1834 Ausgangspunkt für alle Entfernungsangaben nach Berlin war. Demnach soll der Stein ursprünglich am heutigen U-Bahnhof Ruhleben, etwa 11,1 Kilometer vom Schloss entfernt gestanden haben.

Eine preußische Meile sind umgerechnet etwa 7,5 Kilometer. Nach der Einführung des metrischen Systems im Jahre 1873 verloren die Meilensteine an Bedeutung und wurden teilweise umgesetzt und als Kilometerstein weiter genutzt. Der jetzige Standort des Meilensteins, vor dem Eingang zum Ruhwaldpark, befindet sich in 10 Kilometer Entfernung zum Schloßplatz.

Weitere Meilensäulen in Berlin

Am Dönhoffplatz in der Leipziger Straße befand sich eine Postmeilensäule, die die Entfernungen nach Magdeburg und Potsdam anzeigte. Heute findet sich eine Nachbildung des Meilenobelisk in den Spittelkolonnaden.

Bild: Die rekonstruierte Meilensäule auf dem Dönhoffplatz. Das Original stand am alten Leipziger Tor, etwa Niederwallstr. Ecke Alte Leipziger Str. / Fotograf: Angela Monika Arnold, 14.02.2008 / Quelle: Wikimedia Commons

Drei weitere Meilensäulen habe ich bisher in der Potsdamer Straße zwischen Fischerhüttenstraße und Busseallee in Zehlendorf, an der Königsstraße in Wannsee und am Innsbrucker Platz in Schöneberg beim Vorbeifahren gesichtet.

Bild: Meilenstein Königstraße Berlin, Inschrift: III Meilen von Berlin (das sind 22,5975 km) / Fotograf Anzsu, 1.05.2012 / Quelle: Wikimedia Commons

Darüber hinaus bin ich bei meinen Recherchen auf etwas unauffälligere Meilensteine in Marzahn, einem am Eingang vom Schlosspark Tegel und welchen in Britz und Rudow gestoßen. Insgesamt sollen in Berlin noch 18 Meilensteine existieren. Die Forschungsgruppe Meilensteine listet sogar 20 auf, von denen sechs Nachbildungen sind.

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