150 Jahre Straßenbahn: Happy Birthday

Heute feiert die Straßenbahn in Berlin ihr 150-Jähriges Bestehen. Was dieses Jubiläum mit Charlottenburg zu tun hat? Die erste Pferde-Eisenbahn am 22. Juni 1865 verband damals Mitte und Charlottenburg. Auch die letzte Straßenbahn in West-Berlin, die Linie 55, fuhr in unserem Bezirk. 

1865 – Geburtsstunde der Tram in Berlin

Am 22. Juni 1895 war es so weit. Ein Verkehrsmittel, das es bis dahin in Deutschland nicht gegeben hatte, feierte seine rollende Premiere. Zum ersten Mal fuhr eine Straßenbahn durch Berlin. Sie wurde damals noch von Pferden gezogen.  Auf der ersten, 6,3 Kilometer langen Strecke vom Brandenburger Tor nach Charlottenburg fuhren die Wagen erstmals auf Gleisen neben Fußgängern und Fahrzeugen.

Linie No 2. Charlottenburg aus: Brandt: Die Charlottenburger Altstadt S. 12.

No 2. Berlin -Charlottenburg aus: Stephan Brandt: Die Charlottenburger Altstadt S. 12.

Der Betriebshof in Charlottenburg befand sich in der Spandauer Straße 15 (heute: Spandauer Damm 68-76). Von der Neuerung im Ausland begeistert beantragten 1864 die Gebrüder Beskow an dieser Stelle einen Stallbau für 124 Pferde. Der Eisenbahnunternehmer A. Möller führte das Projekt aus  und ergänzte die von den Beskows errichtete Anlage mit einem Wagenschuppen für 26 Omnibusse sowie einen Kranken-Pferde-Stall. Im selben Jahr wird noch eine Wartehalle sowie ein Kartenhäuschen im eigentlichen Wohnhaus eingerichtet. Die Pferdebahn ist ein Erfolgsgeschäft und bereits 1871 wird ein festes zweigeschössiges Stationsgebäude errichtet.

Der regelmäßige Liniendienst für etwa 45 Passagiere verkehrt im Wagenabstand von 10 Minuten. Eine Geschwindigkeit von etwa 9 km/h wird erreicht. Der Fahrpreis beträgt 2,5 Silbergroschen (5 Silbergroschen im Salonwagen). Vor allem vermögende Berliner Bürger mit Sommerwohnungen in Charlottenburg oder höhere Berliner Beamte mit Wohnort Charlottenburg gehörten zu den regelmäßigen Passagieren

1875 erwirbt die Pferdebahngesellschaft das benachbarte Grundstück, erbaut darauf weitere Ställe für nochmals 112 Pferde. Die Straßenbahn ist aus dem Charlottenburger Stadtbild kaum noch wegzudenken und bringt nicht nur am Wochenende die Sommerfrischler nach Charlottenburg.

Für eine verbesserte Gewinnspanne beginnen bereits 1882 die ersten Versuchen mit einem elektrischen Betrieb. Auf der Strecke Charlottenburg zum Spandauer Bock kommt eine von Siemens entwickelte Oberleitung mit achträdrigen Kontaktwagen zum Einsatz, wie sie auch beim ersten Obus- Versuchsbetrieb des gleichen Jahres am Kurfürstendamm (Halensee) verwendet wird. Der Betrieb über Oberleitungen wird jedoch aufgrund des sich abzeichnenden Gefahrenpotenzials abgelehnt.

Doch der Fuhrverkehr nimmt zu. 1875 wird die Stammstrecke für den zweigleisigen Betrieb ausgebaut, über 300 Pferde sind im Einsatz. 1885 wird ein zusätzliches Gleis gebaut, um den elektrischen Betrieb losgelöst von der Pferdebahnstrecke erproben zu können. Sie erhält einen neuen Betriebsbahnhof in der Spreestraße (heute: Wintersteinstraße 22). Nun wird auf Akkubetrieb gesetzt, bei welchem die Akkus des Nachts im nahe gelegenen Elektrizitätswerk aufgeladen werden.

Im August 1886 wird auf der Strecke Charlottenburg, Pferdebahnhof – Lützowplatz ein Akku-Triebwagen ausprobiert. Doch der Akku-Betrieb ist nicht von langer Dauer. Mehrfache Entgleisungen und Beschädigungen des Wagens führen zur Einstellung des elektrischen Betriebes mit Speicherenergie. Die Firma Siemens & Halske forscht weiter und erhält 1893 den Vertrag über die Elektrifizierung des gesamten Berliner und Charlottenburger Pferdebahnnetzes. Zunächst wird die erste Pferdebahnstrecke Brandenburger Tor – Charlottenburg auf den elektrischen Betrieb  mittels sicherer Oberleitungen umgestellt. Ab 1897 wird die gesamte Strecke vom Kupfergraben bis Charlottenburg elektrisch betrieben.

Vollständ eingestellt wird der Pferdefuhrbetriebes am 30.5.1900. Heute deutet leider nichts mehr auf den ersten Bahnhof der Pferde-Eisenbahn in Charlottenburg. Er wurde 1930 geschlossen und anschließend abgerissen. Aber wer genau hinsieht, der kann an der geschwungenen Form des Nachfolgebaus erahnen, wie hier vor 150 Jahren die Pferde abbogen um in ihren Stall zu kommen.

Endstation Pferdeeisenbahn - Spandauer Damm heute

Endstation Pferdeeisenbahn – Spandauer Damm heute

1967 – Das Ende der Tram in West-Berlin

Nach dem Vorbild anderer europäischer Metropolen wollte auch West-Berlin ohne Straßenbahnschienen auskommen. Die Verkehrsdichte in der eingeschlossenen Stadt sollte gesenkt werden, indem man stattdessen in den Ausbau des U-Bahn-Netzes investierte. Nach und nach ersetzten Bus- und Bahnlinien die alten Straßenbahnstrecken.

Am Montagmorgen, des 02.10.67 erfolgte zur großen Verabschiedung, ein aus 10 Wagen bestehender Wagenkorso. Die Abschiedsfahrt fand von Hakenfelde zum Gleisdreieck Richard-Wagner-Platz und dann weiter zum Betriebshof Charlottenburg statt. Wie auch beim 100-jährigen Jubiläum am 22.07.1965, fuhren auch diesmal wieder Museumswagen im Schlepp mit. Der letzte Westberliner Straßenbahnbetriebshof Char (Charlottenburg, Königin-Elisabeth-Straße) wurde ebenfalls für die Straßenbahn am 02.10.1967 geschlossen.“ (Berliner Straßenbahn Geschichte)

Video: Weißte noch? Super 8 aus alter Zeit (8): Letzte West-Berliner Straßenbahn, 2. Oktober 1967, Youube-Beitrag von Sebastian Bayer

20xx – Was die Zukunft bringt?

Neue Technologien und die Erfolge der Tram im Ostteil der Stadt haben das Image der Straßenbahn positiv geprägt. Auch die Kosteneffizienz im Vergleich zum weiteren Ausbau des U-Bahnnetzes bringt die Straßenbahn wieder ins Gespräch. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass sie als öffentliches Verkehrsmittel auch wieder in West-Berlin stärker zum Einsatz kommen wird.

Schließlich wurden seit der Wiedervereinigung bereits drei Strecken im Westteil der Stadt in Betrieb genommen. Letzter Neuzugang ist die M5, welche seit Dezember 2014 den Hauptbahnhof mit Alt Moabit verbindet.

Welche Strecken zukünftig einen hohen verkehrlichen Nutzen für die Fahrgäste bringen können untersucht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung derzeit. Letztendlich bleibt also offen, wie eine langfristige Straßenbahnkonzeption aussehen könnte. Vielleicht sieht man ja in ein paar Jahren wieder Straßenbahnen auf dem Kurfürstendamm oder auf der ersten Straßenbahn-Strecke am Schloss Charlottenburg…

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