Pfand gehört daneben – kleine Geste mit großer Wirkung

Der Sommer lockt viele in die Grünanlagen und laue Abende tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, dass immer mehr Flaschen im öffentlichen Raum stehen bleiben. Statt die Pfandflaschen später mitzunehmen, entscheiden sich viele für eine unsachgemäße Entsorgung. Schließlich gibt es ja genügend Sammler in Berlin, die hinterher aufräumen. Damit diesen jedoch die Arbeit erleichtert und dennoch die Vermüllung vermieden wird gibt es ein recht einfaches Prinzip: Pfand gehört daneben.

Über eines muss man sich bei Flaschensammlern klar werden: Hierbei handelt es sich um eine gesellschaftsdurchdringende Tätigkeit. Wirklich reich werden, kann man damit aber nicht. In seiner Dissertation zum Flaschensammeln schätzt der Soziologe Sebastian Moser den durchschnittlichen Verdienst eines Sammlers, der täglich auf Tour geht, auf etwa 100 bis 150 Euro im Monat. Die Menschen, mit denen er für seine Dissertation sprach, hatten alle noch andere Einnahmequellen, wie Rente oder Mini-Jobs. „Das Pfandsammeln bietet Menschen, für die die Ausfüllung von freier Zeit ein zentrales Problem darstellt, eine Lösung an“, schreibt er.

In Berlin sieht man die Flaschensammler sehr häufig. Hygiene, Verletzungsgefahr und persönlicher Stolz werden für 8, 15 oder 25 Cent pro Flasche ad acta gelegt.  Dies blieb auch dem Berliner Matthias Gomille nicht verborgen.

„Solange es Leute in unserem Land nötig haben, Flaschen zu sammeln, möchte ich nicht, dass sie dafür im Müll wühlen müssen.“ (Matthias Gomille)

Daraufhin initiierte er 2011 die Aktion „Pfand gehört daneben“. Inzwischen hat das Prinzip deutschlandweit Schule gemacht. Zu Recht!

Meist werden die leeren Pfandflaschen deshalb neben die Mülleimer gestellt. Ob aus Bequemlichkeit oder Spendenbereitschaft sei dahin gestellt. Das man mit der Aktion „Pfand gehört daneben“ etwas Gutes tun kann, zeigt eine einfache Rechnung:

„In Deutschland leben ca.70.903.000 Menschen über 14 Jahren. Wenn alle im Durchschnitt pro Woche nur eine Pfandflasche im Wert von 8 Cent wegwerfen, dann landen 5,7 Millionen Euro pro Woche im Müll. Das entspricht rund 295 Millionen Euro pro Jahr. Wenn wir das Geld nicht wegwerfen, könnten wir damit sehr vielen Menschen helfen. Wenn alle mitmachen, bedeutet also schon eine kleine Entscheidung einen großen Unterschied.“

Statt Flaschen einfach nur irgendwo abzustellen, wo sie kaputt gehen können und ein Verletzungsrisiko darstellen, ist es sinnvoller den Pfand so zu deponieren, dass er sicher und problemlos eingesammelt werden kann. Und genau dort kommen Pfandkisten ins Spiel. Die Gruppe hinter „Pfand gehört daneben“ hat 2012 in Kooperation mit Lemonaid+ Pfandkisten  entwickelt, mit denen der Spagat zwischen Erleichterung des Pfandsammelns und anwachsenden gefährlichen Pfandflaschenhaufen gemeistert werden sollte.

Trend der Woche Pfandkiste Pro7 Galileo – YouTube-Beitrag von Matthias Gomille vom 28.04.2012

Hier in Charlottenburg-Wilmersdorf sucht man solche Pfandkisten jedoch oft noch vergeblich. Schließlich basiert deren Aufstellung auf dem sozialem Engagement aus der Bevölkerung. Doch auch Charlottenburg verfügt schon über die ein oder andere Pfandkiste. Nur ging man bei deren Installation wesentlich konservativer vor. Hier im Bezirk wurde das Pfandkisten-Projekt seit 2013 von der trias gGmbH in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt aus öffentlicher Hand ausprobiert und dabei sogar wissenschaftlich begleitet.

Zuerst mit enttäuschendem Ergebnis:

„Am Lietzensee sowie im Volkspark wurden die Kästen sofort wieder zerstört. Das waren einfache Getränkekästen.“  (Projektkoordinatorin Petra Hiller von trias gGmbH)

Tatsächlich erinnere ich mich, dass eine dieser Pfandkisten letztes Jahr urplötzlich auf dem Erwin-Barth-Platz stand und dann ebenso schnell auch wieder weg war. Doch neulich habe ich eine Kiste gleicher Machart nahe dem Seniorentreffpunkt im Lietzenseepark entdeckt.

PfandkisteLietzenseepark

Pfandkiste im Lietzenseepark

Ob diese Pfandkiste nun von privater oder öffentlicher Seite aufgestellt wurde, kann man schwer sagen. Versteckt unter einer Graffiti-Schicht, kann man ihren Zweck aber auf jeden Fall kinderleicht nachvollziehen.

Ich kann  nur hoffen, dass diese Pfandkiste nicht dem Vandalismus zum Opfer fällt und das Projekt sich zukünftig vielleicht auch im Kiez weiter ausweitet. Denn ansonsten sieht es am Ende des Tages nicht nur vielerorts chaotisch aus, sondern das Verletzungsrisiko in Nähe der zahlreichen Spielplätze wächst unnötig.

Und was ist mit den Gegnern des Prinzip „Pfand gehört daneben“? Nun diese Leute nehmen ihren Pfand bitte wieder mit nach Hause. Ob sie den Pfand dann behalten oder gezielt spenden, sei ihre persönliche Entscheidung.

Viele Pfandautomaten bieten ja ebenfalls eine Spendenmöglichkeit an und will man sich nicht mit dem Wegbringen der zu Hause anfallenden Flaschenberge belasten, so kann man seine Spende über die Aktion „Pfandgeben“ sogar ganz bequem abholen lassen.

Webschmankerl & Bücherkiste

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