Es gibt sie … noch? Historische Gaslaternen

Gas oder Elektrisch? Das ist nicht nur eine Frage für die Grillsaison. In Berlin ist dies auch eine Frage der Beleuchtung. Längst ist entschieden, dass die Gaslaterne abgeschafft werden soll. Doch dabei gilt: „Wir befinden uns im Jahre 2015. Ganz Berlin soll seine Gaslaternen abgeben…Ganz Berlin? Ein kleiner Kiez hört nicht auf, dem Gaslicht Asyl zu gewähren.“ 

Seit einigen Jahren gab und gibt es vehemente Diskussionen um die Berliner Gaslaterne. Schließlich erzeugt Gaslicht Kohlenstoffdioxid, ein Treibhausgas. Zudem handelt es sich bei Gas um einen fossilen und damit endlichen Brennstoff, der daher einer zukünftigen Kostensteigerung unterliegt. Dem gegenüber steht ein Erhalt des historischen Bestandes an Gaslaternen, der in Berlin einzigartig ist.

Entscheidungen zu treffen, welche sowohl der Vergangenheit als auch der Zukunft gleichermaßen ihren Stellenwert bieten ist ein fast unmöglicher Spagat. In Berlin wird daran auch häufig gescheitert und eine unpopuläre Lösung erhält den Zuschlag.

Ein solches Thema war und ist die Berliner Gaslaterne. Während sich die Gasbeleuchtungstechnik hin zu immer kostengünstigeren Modellen weiterentwickelt und die GASAG die Zuspeisung mit Biogas immer weiter ausbaut, entschied man sich 2007 für die großflächige Abschaffung der Gaslaterne.

Zukunft

Um sich finanziell und ökologisch abzusichern, entschloss sich die Stadt Berlin 2007 dazu, die Gaslaternen zu ersetzen bzw. umzurüsten. Die diesbezüglichen Arbeiten an den rund 44.000 Berliner Gaslaternen sollten 2012 beginnen. 2014 gab es noch knapp 37.000 Gaslaternen in Berlin. Bis 2016 soll die Abschaffung vollzogen sein.

Unstrittig ist, dass die Gaslaternen  zur Emission eines Treibhausgases beitragen. Gegner der Umrüstung argumentieren, dass auch Elektro-Laternen einen CO2-Fußabdruck aufweisen und die Berliner Gaslaternen gerade einmal 0,17 Prozent des Gesamtberliner Ausstosses an CO2 pro Jahr ausmachte. Dem gegenüber steht der effizientere Verbrauch von Elektroleuchten, mit dem sich über 40 GW jährlich für den Berliner Haushalt einsparen lassen.

„Der wesentliche Grund für die Umrüstung ist der hohe Energiebedarf der Gasleuchten. Nur mit deren Ersatz durch eine moderne elektrische Beleuchtung ist das umweltpolitische Ziel des Landes Berlin zu erreichen, den Energieverbrauch der Straßenbeleuchtung in den nächsten Jahren um 30 – 50 Prozent zu senken.“ (Stadtentwicklung Berlin)

Selbst wartungstechnisch gibt es Argumente. Denn der Gasbetrieb im Inneren einer Gaslaterne verdrängt den Sauerstoff, weshalb diese im Gegensatz zu ihren elektrisch betriebenen Nachfolgern weniger anfällig gegen Rost sind. Doch sind die Glühkörper störanfällig und werden aufgrund der gesenkten Nachfrage nur noch monopolistisch in Indien produziert. Für die zur Instandhaltung notwendigen Mengen beliefen sich die jährlichen Kosten auf 1,2 Millionen Euro, während moderne Elektrolaternen en masse produziert und entsprechend kostengünstig ersetzt werden können.

Vergangenheit

Ob aus Gründen finanzieller, ökologischer oder ressourcenbedingter Art, die Ära der Gaslaterne in Berlin ist ihrem Ende nahe. Dabei hätte Berlin hier eine einzigartige Chance gehabt ein ganz besonderes Image zu prägen. Denn zur Zeit des Beschlusses zugunsten der Abschaffung der Gaslaterne standen mehr als die Hälfte aller weltweit existierenden Gaslaternen auf Berlins Straßen. Eine Vergangenheit, die das Recht auf Erhalt verwirkt hat?

umgerüstete Wandlaterne

Wie einleitend erwähnt, ist das Gaslicht etwas für Nostalgiker. Wer kann sich im kalten Licht einer LED-Laterne vorstellen, wie eine abendlicher Spaziergang um 1900 ausgesehen hat? Wer liebt nicht den nächtlichen Anblick historischer Gebäude im warmen Lichtschein einer Gaslaterne?

Trotz des in Umsetzung befindlichen Beschlusses gibt es daher auch Befürworter für den historischen Erhalt. Erst kürzlich sprach sich der us-amerikanische World Monument Fund  dafür aus, die Berliner Gaslaterne zum Weltkulturerbe erklären zu wollen.

Damit bleiben zwei Fragen offen. Zum einen, ob dieses Vorhaben wirklich umgesetzt werden kann und zum anderen, ob die entsprechende Eingabe noch rechtzeitig geschieht. Schließlich ist die großflächige Abschaffung bereits in vollem Gange und soll bis nächstes Jahr abgeschlossen sein.

Doch auch unter den Stadtentwicklern scheint es Nostalgiker zu geben. Der Erhalt einiger Gasleuchtenreihen ist in „städtebaulich relevanten Gegenden“ geplant. Damit bleiben rund 240 in Flächendenkmalen erhalten.

Gaslaternen im Klausenerkiez

Zwischen dem Schloss Charlottenburg und dem Lietzensee hört man bei Einbruch der Dämmerung ein leises Klacken und Zischen. Kurz darauf erstrahlen die Laternen mit einem besonders sanften Licht. Keine LEDs sondern per Gas werden die historischen Schinkel-Laternen betrieben, die einem schnell ins Auge fallen. Sie sind eines der Elemente, die den Klausenerkiez so charmant machen.

Und ein Besuch des Kiezes wird Touristen und Berlinern auch zukünftig die Möglichkeit geben das einzigartige Flair von Gaslaternen zu erleben, nur wird dieses stark reduziert.

Denn der Klausenerkiez ist zwar ein denkmalgeschützten Ensembles in Berlin, doch nur zwei Straßen sollen hier laut Stadtentwicklung die Gaslaterne behalten. Die Knobelsdorffstraße und die Sophie-Charlotten-Straße werden auch zukünftig mit Gas betrieben. Zudem sollen die Gasreihenleuchten im Witzlebenkiez in der Wundtstraße, Dernburgstraße und  der Herbartstraße erhalten bleiben. Zusammen sind diese zwei Schutzzonen innerhalb Charlottenburgs nur einer von sechs Standorten, an welchen die Gaslaterne in Berlin auch zukünftig erlebt werden kann.

Sollte der Erhalt von Gaslaternen auf die Sophie-Charlotten-Straße und die Knobelsdorffstraße beschränkt bleiben, so wird es zukünftig nur noch wenige Exemplare zu sehen geben.

Die Modelleuchten mit Bündelpfeilermast, wie sie seit 1892 aufgestellt wurden und über vier Flammen betrieben werden, die Hängeleuchten der 1900er Jahre mit ihrem Galgenmast, die Aufsatzleuchten der 1920er Jahre, sowie die Reihenleuchten der 1950er Jahre finden sich hier auf engem Raum.

Doch schon an der Eingrenzung auf diese Straßenzüge zeigt sich, wie sehr der Erhalt begrenzt wird. Denn unbedacht bleiben die Gaslaternen am Klausenerplatz und am Schloss Charlottenburg, welche in vielen Reiseführern mit der romantischen Beleuchtung beworben werden. Auch das Gesamtbild wird beendet, da diese Straßenzüge über alle vier Varianten verfügen und sich so kein einheitliches Straßenbild mit einem Laternen-Typus präsentiert. Ein ganz besonders schönes Exemplar mit viel Geschichte wurde bei der Grenzziehung komplett missachtet.

5ärmiger Gas-Kandelaber 1903

Am Anfang der Schlossstraße findet sich ein imposanter fünfarmiger Kandelaber. Im Gegensatz zu seinen Kollegen in der Wilmersdorfer Straße, am Stuttgarter Platz und am Schloss Charlottenburg handelt es sich hierbei um keinen Nachbau, sondern um ein Original, das 1903 aufgestellt wurde und letztmals 1976 aufwändig restauriert worden ist.

„Er ist 110 Jahre alt, hat zwei Weltkriege überlebt, den Mauerfall und die Euro-Einführung“, sagte Bertold Kujath. „Und nun soll er aus Dummheit weichen.“

Man kann nur hoffen, dass der Erhalt dieses prachtvollen Exemplares im Speziellen und des Ensembles rund um das Schloss Charlottenburg seitens der Stadtverwaltung im Allgemeinen noch einmal überdacht wird. Schließlich sollte die Ausweitung des Schutzgebietes um einige Straßenzüge nicht ganz so aufwändig sein, wie die Etablierung eines Weltkulturerbes. Ansonsten wird der Gas-Kandelaber in seiner mehrarmigen Form nur noch ein Museumsstück sein. Denn diesen findet man im Charlottenburger Schutzgebiet ebenso wie alle anderen mehrarmigen Kandelaber sonst nicht mehr.

Empfehlung

Neben den vier Straßen im Klausener- und im Witzlebenkiez gibt es gar nicht weit entfernt noch einen weiteren Ort, an dem man Gaslaternen besichtigen kann. Hinter dem Charlottenburger Tor, direkt am S Tiergarten findet sich das Gaslaternenmuseum, eine Freilichtausstellung verschiedener Gaslaternen aus zahlreichen europäischen Städten und Epochen. Das Freilichtmuseum wurde 1978 von der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen in Zusammenarbeit mit der GASAG eröffnet. Die Ausstellung beherbergt 90 Exponate aus 25 deutschen und 11 weiteren europäischen Städten. Sie ist damit die umfangreichste Ausstellung ihrer Art in Europa, obwohl der dort befindliche fünfarmige Kandelaber ebenfalls nur eine Replik ist.

Webschmankerl & Bücherkiste

 

 

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