Hedwig Bollhagen – Erschaffung eines Alltagsgeschirrs abseits jeglicher Alltäglichkeit

Die Wilmersdorfer Straße ist zwar als Shopping-Meile bekannt, dabei bleibt man jedoch meist zwischen Bismarckstraße und dem S-Bahnhof Charlottenburg. Doch schlendert man auch mal die andere Seite entlang, so finden sich noch viele interessante Geschäfte bis zur Otto-Suhr-Allee. Eines davon ist der Hedwig Bollhagen Keramik-Laden.

Hedwig Bollhagen gilt heute als die wohl bekannteste Keramikerin der DDR. Ihre zeitlosen Designs entstanden größtenteils jedoch schon weit früher Ende der 1920er und in den 1930er Jahren. Noch heute sind die von der 1907 geborenen Hannoveranerin entworfenen Dekore und Formen ein leicht zu erkennendes Markenzeichen bei den einfachen und formschönen Gegenständen, welche sie in Keramik erschuf.

Bereits sehr früh lenkte ihre Mutter  das Interesse auf moderne Kunst. Gleichzeitig begann ihre Liebe zu den „Pötten“, die sie auf einem Bauernmarkt sah. Mit 14 entdeckte sie in einem Hannoveraner Schaufenster Geschirr, das sich deutlich von dem sonst üblichen Kitsch unterschied. Das ausgestellte Geschirr kam aus einer Steingutfabrik in Velten-Vordamm bei Berlin, wo sie später ihre erste Stelle antrat. Geprägt von der einfachen Klarheit des Bauhausstiles entstanden ihre ersten Designklassiker. Mit noch nicht einmal 20 Jahren überzeugte ihre Hingabe zum Werkstoff Keramik so sehr, dass sie Leiterin der mehr als hundert „Malmädchen“ wurde.

Heute finden sich ihre ästhetischen Keramiken in Museen. Doch wurden die meisten ihrer Werke von Bollhagen für den täglichen Gebrauch entworfen. Tassen, Kannen, Vasen und Schalen passen mit ihrem schlichten Dekor und einer minimalistischen Farbgebung auch heute noch auf jeden Tisch. Daher wird das von ihr entworfene Gebrauchsgeschirr seit Jahrzehnten unverändert im Design hergestellt, ist international bekannt und schlichtweg zeitlos.

„Kunst? Ach Gott, manche nennen es halt so; ich mache Teller, Tassen und Kannen.“ (Hedwig Bollhagen)

1934 gründete Hedwig Bollhagen ihre HB-Werkstätten für Keramik in Marwitz. In den folgenden 67 Jahren schuf sie hunderte von Formen und Dekoren. Noch im Alter von neunzig Jahren schloss sie früh am Morgen ihre Firma auf und am Abend wieder ab, lief, schon von weitem am blau-weiß karierten Kittel erkennbar, durch die Gänge, sah sich das gedrehte oder gegossene Geschirr an und warf hin und wieder einen prüfenden Blick auf „ihre“ Malerinnen beim Dekorieren. Denn die HB-Keramiken werden auch heute noch nach ihren Entwürfen frei von Hand bemalt.

Es ging nicht darum, einen Teller, eine Tasse einfach schön aussehen zu lassen. Es ging darum, etwas Vollkommenes zu schaffen. Und das ist Bollhagen absolut gelungen. Seit nunmehr über 80 Jahren werden die von ihr entworfenen Geschirre nun schon unverändert produziert.

Um diese Stücke zu erwerben muss man Berlin aber nicht verlassen. Ihr Geschirr wird ebenso im KaDeWe verkauft. Mehr Auswahl und bessere Preise bietet hingegen der Bollhagen-Shop in der Altstadt Charlottenburg. Hier sind ständig ca 3.000 Teile der HB-Keramik vorrätig, wobei alle Keramiken zu Manufakturpreisen erworben werden können.

HB-Geschirr

Geöffnet ist der Bollhagen-Shop dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr,  sowie montags von 17 bis 18 Uhr.

Empfehlung

Wer sich für Keramik interessiert, sollte bei einem Besuch im Ladengeschäft in der Wilmersdorfer Straße einen kleinen Abstecher in das nahe gelegene Keramikmuseum machen.

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