Stadtkaninchen – Langohren im Kiez

Wer denkt, dass man als Stadtkind keine Wildtiere kennenlernt, der irrt sich gewaltig. Wildtiere schaffen sich auch in Berlin ihren Lebensraum. Wild(e)Schweine, Füchse, Marder, Waschbären und Kaninchen leben in unserer Stadt. Kein Wunder, sind doch über 40 Prozent der Stadtfläche Berlins Grün- und Wasserflächen. In den letzten Monaten war ich dann aber doch erstaunt, wie oft mir ein großstädtisches Langohr über den Weg hoppelte.

Auch wenn ich selbst in einem der grünen Randbezirke Berlins aufgewachsen bin, ist es für mich immer wieder etwas Besonderes einem wilden Tier in der Stadt zu begegnen. Klar passe ich auf, wenn ich durch den Grunewald fahre. Jedem sollte klar sein, dass man da auf Wildschweine treffen kann. Doch ein Reh im eigenen Garten stehen zu sehen ist dann doch etwas nicht ganz alltägliches.

Ebenso erstaunt mich die wachsende Zahl an Langohren, denen ich in diesem Jahr bereits begegnet bin.

Großstadt-Langohr Gleisdreieck

Nach meiner ersten Sichtung eines Kaninchens unter einem LKW am Gleisdreieck, fand ich mich kurz darauf mit Warnschildern im Tiergarten konfrontiert. Diese baten um die konsequente Schließung der Tore zur dortigen Luisen-Insel, damit der derzeitigen Kaninchenplage der Weg zu den leckeren Beeten versperrt bliebe. Trotz der zahlreichen Warnschilder waren die dortigen Bewohner scheinbar zu scheu, um mich zu treffen.

Dafür traf ich dann im Kiez auf den ein oder anderen pelzigen Vertreter. Einige Wochen später machte ich so ganz unbedarft meine Runden durch die Charlottenburg Altstadt. Nahe der Spree traf ich dabei gleich auf zwei Prachtexemplare von Stadtkaninchen, die sich nicht einmal durch einen direkt auf sie zulaufenden Hund beim Sonnenbaden stören ließen.

Wieder verging etwas Zeit und ich lief diesmal völlig arglos durch den Mierendorffkiez, als ich gleich fünf Kaninchen aufschreckte. Und das nur einige Meter von der vielbefahreren Sömmeringstraße entfernt.

Ursprünglich kommen die Wildkaninchen übrigens von der Pyrenäenhalbinsel und aus Nordafrika, wo sie in fast unverändertem Zustand die letzte Eiszeit überdauerten. Erst im 18. /19. Jahrhundert verbreiteten sich die Tiere dann in Europa.

In und um Berlin fanden die Nagetiere auch irgendwann eine Heimat. Da Kaninchen halboffene Feldflure mögen, kam der Berliner Sandboden gerade richtig für einen intensiven Tunnelbau. Letztendlich trug die Geschichte Berlins ihren Teil dazu bei, das sich die Langohren ganz in Ruhe vermehren konnte. Denn nur hier konnten sie sich fast ungestört im Laufe der Jahre zu Tausenden innerhalb des sogenannten Todesstreifens tummeln.

Alles in allem war ich dann doch erstaunt, dass das Berliner Wildkaninchen ein „alter Hase“ ist. Das ich ihnen nun häufiger begegne ist scheinbar der Tatsache geschuldet, dass sich der örtliche Karnickelbestand seit der sog. Chinaseuche 1998 (die ursprünglich aus Südamerika kommt – soviel zum Thema Internationalität) erst wieder im Aufschwung befindet.

„Durch Krankheiten ohnehin dezimiert, muss ihnen, wie auch den noch selteneren Hasen, in menschlicher Nähe eine Nische gelassen werden. Für uns Menschen sollte die Möglichkeit für Beobachtungen der eher scheuen Tiere im Vordergrund stehen. Nur so können das Verständnis für die Natur und deren Geschöpfe sowie Zusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und Veränderungen in der Natur erkannt werden.“ (Stadtentwicklung Berlin über Wildkaninchen)

Genaue Zahlen über die derzeitige Population von Wildkaninchen in Berlin konnte ich nicht finden. Nichts desto trotz ist es für mich immer wieder ein schönes Erlebnis, zu sehen, dass die wilden Langohren ein fester Bestandteil der tierischen Bevölkerung Berlins sind. Nur einen Waschbären, den habe ich bisher noch nicht live erlebt…

Webschmankerl

 

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