Ein Geheimnis des Schloss Charlottenburgs

Es ist immer wieder faszinierend, wie oft man ein Gebäude betrachten kann, bis man ein verstecktes Detail entdeckt. Meist passiert die Entdeckung erst, wenn man von jemand anderem auf das Infrage kommende Detail hingewiesen wird. Anschließend genügt auch der kürzeste Blick. Das nun sensibilisierte Gehirn richtet automatisch den Fokus auf die neue Entdeckung. So geht es mir zur Zeit am Schloss Charlottenburg, seit ich das 4. Geheimnis von Eva-Maria Bast in ihrer Morgenpost-Serie „50 Berliner Geheimnisse“ gelesen habe.

Natürlich möchte ich auch euch in eben jenes Geheimnis einweihen.

Sieht man sich das Dach des Schloss Charlottenburgs genauer an, so findet man zahlreiche Figuren. Die weißen Plastiken stellen die verschiedenen Künste dar und setzen sich prägnant durch ihre weiße Farbe von der in gelb gehaltenen Fassade ab.

Schloss Charlottenburg Gartenseite Figuren

Aufgrund der zur Zeit stattfindenden Restaurierungsarbeiten fehlen derzeit einigen von ihnen die Gesichter.

Doch diese Entdeckung war eigentlich nur ein Nebenprodukt meiner Suche. Denn was man schon im ersten Bild sehen kann, ist ein kleines Pferdchen, welches sich zwischen den Figuren versteckt.

fliegendes Pferdchen

Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes Windpferdchen, welches Friedrich I. installieren ließ, um zu wissen, von woher der Wind wehte. Der kleine „Windanzeiger“ auf dem Dachbalkon ist durch einen Stab mit dem Schlafzimmer des ersten preußischen Königs verbunden. Bis ins Erdgeschoss führt die Eisenstange und endet in einem Ziffernblatt, an welchem Friedrich I. die Windrichtung ablesen konnte.

Die barocke Spielerei wurde vor einigen Jahren in Stand gesetzt und ist inzwischen wieder voll funktionsfähig.

Das Symbol des Pferdes

Warum Friedrich I. gerade ein Pferd für seine Wetterfahne wählte, konnte ich nicht eindeutig klären.

Bekannt ist, dass die  Windfahnen auch als Haus- und Schutzzeichen bedeutsam waren. In Norddeutschland dienten Pferdeköpfe an den Giebeln beispielsweise zur Gefahrenabwehr.

Aber auch als Wappensymbol findet man das Pferd. In der Heraldik ist beispielsweise das Sachsen-, auch Welfenross genannt, bekannt. Und Friedrichs Ehefrau war ja bekanntlich Sophie Charlotte von Hannover – eine waschechte Welfenprinzessin. Da passt das Pferdchen auf dem Schlossdach wieder einmal perfekt nach Charlottenburg 😉

Redewendung – Begriffsbildung

Übrigens soll auch das Sprichwort „von etwas Wind bekommen“ eben in dieser Zeit in Mode gekommen sein. Ursprünglich eine Redewendung aus der Jägersprache, hielt die Redensart im 18. Jahrhundert Einzug in die Literatur. Keine geringeren als Lessing, Schiller und Goethe verwendeten die Floskel in ihren Werken.

Damit wäre also nach den Fenstern ein weiteres Geheimnis des Schlosses gelüftet.

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