Vergangen: Geburtsort der Stadtbücherei

Ende des 19. Jahrhunderts bildete sich die deutsche Bücherhallenbewegung, welche das volkstümliche Bibliothekswesen nach dem englischen Prinzip der „Public Libraries“ zu einer „Allgemeinen Bildungsbibliothek“ umstrukturieren wollte. Diesen Bestrebungen folgte kurz darauf die Stadt Charlottenburg und eröffnete am 3. Januar 1898 die „Städtische Volksbibliothek und Lesehalle“.

 

Die Stadt als Träger

„Es blieb jedoch Charlottenburg vorbehalten, den entscheidenden Schritt zu tun und durch Begründung einer „Allgemeinen Bildungsbibliothek“ im Sinne der englischen und amerikanischen Public Libraries zum ersten Male in Deutschland die Verpflichtung der Stadtgemeinden anzuerkennen, in größerem Maßstabe für die Bedürfnisse aller Bevölkerungsschichten gleichmäßig zu sorgen.“ (Geschichte der Stadt Charlottenburg, Bd. 1, S. 659)

Neben der ideelen sowie finanziellen Förderung durch Oberbürgermeister Fritsche ermöglichte vor allem eine großzügige Schenkung des Verlagskunsthändlers Emil Werckmeister aus Westend in Höhe von rund 23.000 Mark den Aufbau des Bücherbestandes. Darüber hinaus wurden die Bestände einer früheren Bibliothek integriert.

Als erster Bibliothekar wurde Dr. E. Jeep verpflichtet, welcher als Vorkämpfer der Bücherhallenbewegung und als Mitbegründer der ersten Lesehalle der Gesellschaft für ethische Kultur in Berlin drei Jahre zuvor fungiert hatte.

Die Städtische Volksbibliothek wurde zunächst im Haus Kirchstraße 4/5 eingerichtet und umfasste neben Lesesaal, Verwaltung und Magazin eine reich ausgestattete Handbibliothek. Hierbei handelt es sich um das Alte Schulhaus in der heutigen Gierkezeile 39.

1. Schulhaus Charlottenburgs

Die Konditionen zur Nutzung der Bibliothek lesen sich damals sehr modern. Heute sind uns diese Regeln zur Bibliotheksnutzung bekannt, doch damals wurden diese Regeln erstmals formuliert und über die Jahre hin etabliert:

„Zur unentgeltlichen Entnahme von Büchern ist jeder Bewohner Charlottenburgs, der das sechzehnte Lebensjahr überschritten hat, nach erfolgreicher eigenhändiger Eintragung in die Leserliste berechtigt; der Besuch der Lesehalle, sowie die Benutzung der darin ausgestellten Handbibliothek und der dort ausliegenden Zeitschriften steht bedingungslos frei; auch wird jedes Buch der Ausleihbibliothek den Lesern aufd Wunsch sofort im Lesesaal zur Verfügung gestellt. Die Leihfrist beträgt vierzehn Tage; doch kann auf Antrag Verlängerung eintreten.“ (Geschichte Charlottenburgs, Bd. 1, S. 660)

1901 zog die Städtische Volksbibliothek in die Wilmersdorfer Str. 166/167 um. Hierbei handelte es sich um das Quergebäude der neu errichteten Kunstgewerbe- und Handwerkerschule.  Auf einer Fläche von rund 280 m² befand sich der über 3 Stockwerke gehende Lesesaal mit zwei übereinander liegenden Galerien. 150 Sitzplätze standen in dem mit Zentralheizung und elektrischem Licht versehenen Lesesaal zur Verfügung.

Städtische Volksbibliothek, 1909, Postkarte aus der Sammlung der Villa Oppenheim

Geöffnet war die Bibliothek sieben Tage die Woche seit 1904 unterbrechungslos von 11 bis 21:30.

Die 1901 eröffnete, vorbildlich ausgestattete, professionell betriebene „Städtische Volksbibliothek und Lesehalle“ war die erste ihrer Art im Deutschen Reich.

Große Spender

1901 erhielt die Bibliothek den Nachlass der Kaiserin Friedrich (Victoria von Großbritannien und Irland, Witwe von Friedrich III.).

Der Altertumswissenschaftler Theodor Mommsen spendete einen Anteil der Summe, die er mit dem Nobelpreis für Literatur mit seiner „Römische Geschichte“ erhielt, zur Ergänzung des Bücherbestandes.

Entwicklung bis heute

Im November 1943 wurde der Bibliotheksbau fast vollständig zerstört. Nach einer vorübergehenden Einquartierung der geretteten Buchbestände in der Sybelstraße 2-4 brachte man die Bibliothek 1948 im Rathaus Charlottenburg unter, wo man sie heute noch unter dem Namen Heinrich-Schulz-Bibliothek findet.

Stadtbücherei Charlottenburg

Stadtbücherei Charlottenburg

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