Wie damals – Die U12 erinnert(e) an alte Zeiten

Dieses Wochenende enden die Sanierungsarbeiten am S-Bahnhof Gleisdreieck und damit der tägliche Einsatz der U12, welche seit April die Strecken der Linien U1 und U2 miteinander kombiniert hat. Doch was viele dabei nicht wissen: Die Strecke Olympiastadion – Warschauer Straße wurde bereits vor über 100 Jahren befahren. Früher war es ganz normal ohne Umsteigen von der Warschauer Straße nach Charlottenburg durchfahren zu können. 

Denn die Strecke Warschauer Straße bis zum Knie (heute: Ernst-Reuter-Platz)  gehört zur ersten Berliner U-Bahnstrecke, welche zwar als Hochbahn in weiten Teilen Berlins, doch im Areal Charlottenburg bereits damals unter Tage errichtet wurde. Daher spricht man bei diesem Abschnitt auch von der sogenannten „Stammstrecke“.

Stammstrecke der Berliner U-Bahn – erstellt von Broadway 6.6.2008 – Quelle: Wikimedia Commons

„Die im Jahre 1902 eröffnete Stammstrecke der Hoch- und Untergrundbahn stellte im wesentlichen eine Verbindung zwischen dem Osten und dem Westen Berlins dar. Auf dem Gleisdreieck zweigte von dieser durchgehenden Ost-West-Linie eine Seitenstrecke nach dem Potsdamer Platz ab. Außer den direkten Ost-West-Zügen verkehrten Züge vom Westen und Osten nach dem Potsdamer Platz und umgekehrt.“ (Zur Eröffnung)

Ab 1906 erfolgte die Verlängerung der Linienführung durch die Ergänzung der Stationen der „Charlottenburger U-Bahn“, welche Stück für Stück bis 1913 bis zum U-Bahnhof Stadion (heute_ Olympiastadtion) ausgebaut wurde.

Dezember 1910 (Hochbahngesellschaft) / Wahrscheinlich älteste als separates Faltblatt herausgegebene Netzspinne im: Berliner U-Bahn-Archiv

Doch mit der Ausweitung des Berliner Liniennetzes über den Potsdamer Platz hinaus, sowie die Streckenerweiterungen nach Ost und West wurde die Koordination der immer mehr werdenden Züge so kompliziert, dass man sich 1912 dazu entschied eine Schnellbahnstrecke zu errichten und den Bahnhof Gleisdreieck in einen Umsteige-Bahnhof umzuwandeln.

Netzplan U-Sophie-Charlotte-Platzalt

Hoch- und Untergrundbahn – Netzplan um 1913 – U-Sophie-Charlotte-Platz

Genau das ist heute der Berliner Alltag. Fast jeder weiß , dass die U1 bis Warschauer Straße fährt, die U2 bis Pankow. Und am Gleisdreieck wird zwischen beiden Linien umgestiegen.

Baustellenlinie U12 2015

Dass für die Sanierungsarbeiten am Gleisdreieck relativ schnell die U12 so problemlos als Bauarbeitslinie installiert werden konnte, ist der Tatsache geschuldet, dass es sie von Anfang an als Linienführung gegeben hat.

Im Zuge der Expansion des U-Bahn-Netzes, sowie den geschichtlichen Einwirkungen, welche 100 Jahre städtebauliche Veränderung mit sich bringen haben viele vergessen, dass die „U12“ heute nicht zum ersten Mal fährt, sondern am Anfang der U-Bahn-Geschichte zu den ersten Strecken zählte, die es überhaupt gegeben hat.

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