Gegen das Vergessen: Otto Grüneberg

Am Sonntag, den 6. Februar fand vor dem Lokal „Kastanie“ in der Schlossstraße, wie auch in den letzten Jahrzehnten, eine Gedenkfeier statt. Gedacht wurde der Ermordung Otto Grünebergs, eines jungen Kommunisten, der am 1. Februar 1931 auf seinem Nachhauseweg in die Schloßstraße 22  erschossen wurde. In diesem Jahr wurde nun bereits der 85. Todestag begangen. 

Damals, als der Klausenerkiez als Arbeiterviertel noch besser bekannt war als „Kleiner Wedding“ oder auch „Roter Kiez„, war die Anhängerschaft bei SPD und KPD vor Ort recht hoch. Otto Grüneberg war Mitglied der letzteren, seine ganze Familie war fest im kommunistischen Milieu verankert und engagierte sich beispielsweise in der Internationalen Arbeiterhilfe. Bereits mit 18 tritt Otto Grüneberg der Roten Jungfront bei. Nach dem Tod seines Vaters 1929 wird Otto zum Alleinversorger seiner Familie und arbeitete als Nieter im Brückenbau.

Doch die politischen Veränderungen schlagen sich auch in Charlottenburg nieder. Im Oktober 1930 eröffnet der SA-Sturm 33 in der Hebbelstraße 20 die Gaststätte „Zur Altstadt“. Drohungen und Gewalt beherrschen von hier aus fortan das Klima im Kiez. Das Sturmlokal gelangt immer wieder in die Presse und seine Gruppierung gilt bald als eine der brutalsten in Berlin. Gegen die Übergriffe bilden sich im Kiez sogenannte Häuserschutzstaffeln, um Anwohnern in Notsituationen zu helfen. Auch Otto Grüneberg tritt diesen bei.

Auf das Konto des „Mörder-Eldorado in Charlottenburg“ (Die Welt am Abend, Februar 1931) gehen neben Max Schirmer, Erich Lange und Hans Klaffert in diesen frühen Jahren auch Otto Grüneberg.

Jan Petersen schildert Grünebergs Tod wie folgt:

„Mein Freund Otto Grüneberg. Ich werde nie die Nacht vergessen, als wir gegen zwei Uhr von einer Nachtveranstaltung der IAH fortgingen. „Ich habe von den Dreiunddreißigern wieder Drohbriefe bekommen“, erzählte er. „Sie schreiben, dass sie mich abknallen werden. Ich kann mich nicht einmal wehren, habe keine Waffe.“ Ich wollte ihn begleiten. Er schlug es ab. „Du wohnst entgegengesetzt, Jan“, sagte er. „Die beiden Genossen hier haben denselben Weg.“ Aber eine halbe Stunde später war Otto Grüneberg von Schüssen zerfetzt. Der Sturmführer der Dreiunddreißiger, Hahn, der rote Hahn wegen seiner Haarfarbe genannt, hatte mit der SA alle Ecken besetzt, wo Otto wohnte. Ein regelrechter Kurierdienst meldete ihn, als er kam. Sie ließen ihn bis in die Mitte der hell erleuchteten Straßenkreuzung gehen, gaben dann von allen Seiten Schnellfeuer. Otto lief mit sieben Schüssen noch bis vor seine Haustür, brach dann sterbend zusammen. Er war einer unserer Besten und Tapfersten. Führer der Charlottenburger Roten Jungfront. Sechzigtausend Berliner Arbeiter gaben ihm das Grabgeleit.“  (Unsere Straße)

Gedenken im Kiez

Am ehemaligen Wohnhaus der Familie Grüneberg in der Schloßstraße 22 wurde eine Gedenktafel aus Marmor angebracht. Sie zählt zu einer der ersten Gedenktafeln, die nach dem Ende des Nationalsozialismus in Charlottenburg angebracht wurden.

Gedenktafel_OttoGrüneberg

Grüneberg gilt als eines der ersten politischen Opfer eines SA-Sturms. Neben der Gedenktafel vor der „Kastanie“  erinnert seit dem 9. November 1989 zudem der gleichnamige Otto-Grüneberg-Weg an ihn, auf welchem man von der Schloßstraße kommend zur Villa Oppenheim gelangt.

Otto-Grüneberg-Weg

Die letzte Ruhestätte der Familie Grünewald  befindet sich auf dem Luisenfriedhof III in Westend. Dieser liegt zwischen der Königin-Elisabeth-Straße und der A100.

Webschmankerl & Bücherkiste

 

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