Happy Birthday – Der Funkturm ist 90!

Zur Zeit ist eine Menge los am Funkturm. Gerade findet die 56. Internationale Funkausstellung auf dem Gelände der Messe Berlin statt. Inmitten des Trubels einer der ältesten Industriemessen Deutschlands steht in aller Ruhe eines der Wahrzeichen Berlins: Der Funkturm. Und dieser hat heute Geburtstag…ob das auch die Messebesucher wissen?

Schon seit 90 Jahren blickt der Funkturm über das Messegelände. Bei seiner Einweihung 1926 aber war er eine Sensation: Der Funkturm war ein Sinnbild des neuen technischen Zeitalters. Seine 138 Höhenmeter machten ihn nicht nur zu Deutschlands höchstem Profanbau, bei seiner Errichtung wurde auch technisch nicht gespart. Nach den Konstruktionszeichnungen  von Heinrich Straumer wurde der Funkmast mit Restaurant und Aussichtsplattform in nur zwei Jahren aus 600 Tonnen Stahl erbaut.

„Achtung! Hier Funkturm Lietzensee! Zwischen Havel und Oberspree! Der Funkturm sendet im Programm die Funkturmweihe vom Kaiserdamm.“ (Weiheprolog 3.09.1926, Alfred Braun)

Festakt anlässlich der Einweihung des Berliner Funkturms 3.9.1926. Quelle: obs/Messe Berlin GmbH

Festakt anlässlich der Einweihung des Berliner Funkturms 3.9.1926. Quelle: obs/Messe Berlin GmbH

Funkturm – neue Siegessäule des Westens – Eiffelturm Berlins – Langer Lulatsch

„Dröhnende Böllerschüsse zeigten den Charlottenburgern bei der Weihefeier des Funkturms an, dass die „neue Siegessäule des Westens“ offiziell und amtlich eröffnet worden war,“ berichtet die Messe Berlin über die damaligen Ereignisse. Zuerst wurde der Stahlfachwerkturm ob seiner Ähnlichkeit mit dem viel größeren Turm in Paris schnell als „Eiffelturm Berlins“ bekannt. Er wurde zum Symbol der modernen Metropole Berlin und des noch jungen Mediums Rundfunk.

„Wenn Ihr den Rundfunk hört, so denkt daran, wie die Menschen in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeugs der Mitteilung gekommen sind. Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders.“ (Albert Einstein zur 7. Großen Deutschen Funkausstellung,1930)

Doch die Berliner vergeben Funktionsbauten, die sie ins Herz schließen, gerne einen Spitznamen. So wurde der Funkturm von den Berlinern bald liebevoll „Langer Lulatsch“ genannt. Der nach dem Krieg inzwischen auf 147 Meter erweiterte Stahlgittermast wurde für die West-Berliner zu einem Symbol der Heimat. Wie Jürgen Dobberke es beschrieb war er „der letzte Blick des Fernfahrers zu Lande und in der Luft und der erste Gruß an Rückkehrer“, ein „Ziel der Sehnsucht aller ausgesetzten Kinder Berlins“ und ein „Symbol der freien Welt“.

Modernste Technik

Beim damals höchsten Turm der Weimarer Republik wurde 1924-26 in vielen Bereichen technisches Neuland betreten. Hier konstruierte man den höchsten elektrischen Fahrstuhl Deutschlands und entwickelte Heizung und Belüftung, Be- und Entwässerung eines schwebenden Turmrestaurants. Eine moderne „Wanderschrift-Anlage“ mit 4000 Glühbirnen machte den Funkturm zur höchsten Werbefläche jener Zeit. Die Porzellanisolatoren kamen damals aus der nahe gelegenen KPM.

Die Fahrstuhlanlage, beförderte zehn Personen mit 1,5 Metern pro Sekunde 123 Meter hoch. Heute mutet das fast lachhaft an, doch damals war das rasant schnell. Aber keine Sorge, die Fahrstuhltechnik wurde regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht und die Fahrt bis zur Plattform dauert heute im gläsernen Lift lediglich 33 Sekunden.

Der Lulatsch wankt – und bleibt stehen

Als eine Granate 1945 in einen der vier Hauptstreben einschlug und damit der Funkturm nur noch auf drei Beinen stand, hielt der Funkturm trotzdem stand. Mit 7,2 t Stahl und 800 kg Schrauben und Nieten flickten ihn Arbeiter wieder zusammen.

Straßensperre im März 1945 am Funkturm – Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-J31429 / CC-BY-SA 3.0 bei Wikimedia Commons

Während der Blockade Berlins leuchteten gelbe Warnlampen am Funkturm den „Rosinenbombern“ den Weg zum Flughafen Tempelhof.

Der Funkturm heute

Seit 1966 steht der Berliner Funkturm unter Denkmalschutz, ebenso die Jugendstileinrichtung des Restaurants. Zwar ist der Sendebetrieb nur noch für Polizei- und Mobilfunk im Gange, dafür ist der Funkturm weiterhin ein beliebter Ausflugsort und ein sehr guter Orientierungspunkt im Berliner Stadtbild.

Die damals innovative Installation der Werbewand aus Glühbirnen ist zwar inzwischen Geschichte, doch der Senior ruht sich nicht aus. Im Sommer 2011 erfolgte die Umstellung auf LED und illuminiert seitdem den Funkturm je nach Anlass in verschiedenen Farben.

Zum Geburtstag bleibt der Funkturm aufgrund des Messebetriebs und Sanierungsarbeiten zwar geschlossen, doch öffnet er Besuchern wieder ab dem 14. September seine Türen…und das hoffentlich auch noch für eine lange Zeit 🙂

Wer nicht bis dahin warten kann, der kann einmal mit GillyBerlin den Funkturm befahren.

Webschmankerl

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